Ausbildungsfinanzierung

Wenn Sie eine berufsbegleitende Ausbildung ins Auge fassen werden Sie sich - sofern Sie nicht genügend auf der „hohen Kante“ haben - neben der Qualität, dem Zeitfaktor vor allem für den Kostenfaktor interessieren.

 

Was aber tun, wenn keine Förderstelle die Ausbildungskosten übernimmt? Als Erwachsener ist es nicht immer einfach und wirklich leicht sich das lebenslange Lernen zu finanzieren. Dennoch stehen Ihnen verschiedenen Finanzierungs-möglichkeiten zur Verfügung.

 

Nachfolgend zeigen wir Ihnen sechs konkrete Möglichkeiten:


1. Teilzahlungsregelungen

Immer häufiger gewähren Bildungsanbietende ihren Kurs- und Lehrgangsteilnehmenden - vor allem bei preisintensiven Angeboten - zinsenfreie Ratenzahlungen. Dabei sind Teilbetragslösungen bis hin zu monatlichen Ratenzahlungen ohne Mehrkosten möglich.

 

Sie müssen den Bildungspartner einfach darauf ansprechen oder um es mit einem alten Kinderspruch zu sagen: "...weshalb, wieso, warum? Wer nicht fragt bleibt dumm!"


2. Bildungssparen

Ein Bildungsdarlehen von einem Kreditinstitut ist eine weitere Möglichkeit, zumindest einen Teil der Ausbildung zu finanzieren. Bildungskredite haben meist den Vorteil geringer Zinsen und Gebühren und können nach Bedarf pro Monat, Semester oder Quartal ausbezahlt werden. Während der Laufzeit des Darlehens sind die Zinsen zu bezahlen, die Rückzahlung erfolgt nach Abschluss der Ausbildung.

 

Zum Beispiel bietet die Raiffeisenbausparkasse an, die Bildungsmaßnahme über "Wohn Bausparen" zu finanzieren. Mit einer Bausparfinanzierung lassen sich nicht nur Wohnvorhaben verwirklichen, sondern eben auch Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen günstig finanzieren.

 

In jedem Fall lohnt sich ein Gespräch mit dem Kundenberater Ihres Vertrauens.


3. Bildungsdarlehen

Diverse Banken bieten darüber hinaus für unterschiedliche Ausbildungsangelegenheiten relativ attraktive Bildungsdarlehen zu Sonderkonditionen an - Einkommen und Vermögen der Antragsteller ist unabhängig von der Vergabe des Bildungsdarlehens -. Finanziert werden können damit sämtliche Kurskosten, Lernmaterialien, Kosten für die Unterkunft sowie notwendige Fahrtkosten zum Ausbildungsangebot. 

 

Wüstenrot hat z.B. in diesem Bereich ein eigenes Angebot gestaltet, das Ihnen Ihre Ausbildung finanziell erleichtern kann bei dem keine Eigenmittel erforderlich sind, flexible Auszahlungsmodelle je nach Studienart und Studiendauer angewendet werden können, Sicherheit durch Zinsobergrenze gegeben und Verschiebungen des Rückzahlungsbeginns möglich sind.


4. Sabbatical

Das Sabbatical-Modell kann auch für einen Bildungsurlaub genutzt werden. Sabbatical bezeichnet ein Arbeitszeitmodell, das es erlaubt, innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens bei konstantem Gehalt eine Auszeit zu nehmen.

 

Ein Beispiel: Bei einem 5-Jahreszeitrahmen bedeutet das, dass das Einkommen von 4 Jahren auf 5 Jahre aufgeteilt wird, sodass auch in der Zeit des „Urlaubs“ ein konstantes Einkommen garantiert ist. Über 5 Jahre hinweg bekommt man so bei einer Auszeit von einem Jahr 80% der „normalen“ Bezüge.

 

Diese Job-Auszeit kann für Weiterbildung genutzt werden, ohne auf ein regelmäßiges Einkommen zu verzichten. Diese Freistellung wird über Langzeitkonten, auf denen Überstunden, Urlaub und Gehalt angespart werden, erreicht. Wer ernsthaft mit dem Sabbatical-Gedanken spielt, sollte mit seinem Arbeitgeber darüber sprechen. Wenn der Arbeitgeber einwilligt, kann über zuvor angesprochenen Langzeitkonten eine befristete Freistellung erreicht werden. Dafür ist allerdings eine langfristige Planung notwendig, da die benötigten Zeit- und Geldwerte ja erst angespart werden müssen. Zusätzlich ist im Unternehmen für eine qualifizierte Vertretung zu sorgen.

 

Detaillierte Informationen dazu finden Sie u.a. hier


5. Unbezahlter Urlaub

Zudem finden sich in unseren Bildungsangeboten immer wieder auch Menschen. Die ihre Bildung über unbezahlten Urlaub realisieren. Diese Möglichkeit wird in vielen Betrieben in einem gewissen Umfang den Mitarbeitenden für Bildungsmaßnahmen angeboten.

 

Achtung: Hier trifft den Arbeitnehmer die Sozialversicherungspflicht. Daher braucht man schon etwas Geld auf der Seite, will man längeren unbezahlten Urlaub für eine Bildungsmaßnahme in Anspruch nehmen.


6. Steuerersparnisse

Schlussendlich können die Kosten für eine Aus- oder Weiterbildung als (a) Fortbildungskosten, (b) als Ausbildungskosten in einem verwandten Beruf oder (c) als Umschulungskosten absetzbar sein. Dabei sind nicht nur Kurs- und Lehrgangsbeiträge, sondern sämtliche mit der Aus- oder Weiterbildung zusammenhängende Kosten abzugsfähig:


Bildungskosten sind als Werbungskosten – für unselbstständig berufstätige von der Steuer absetzbar. Selbstständig Erwerbstätige haben die Möglichkeit, Weiterbildungsmaßnahmen (und die damit in Verbindung stehenden Aufwendungen) als Betriebsausgaben zu verbuchen, die steuermildernd wirken. Welche Aufwendungen können steuerlich abgesetzt werden? In Betracht kommen alle durch die Bildungsmaßnahme verursachten Aufwendungen wie:

  • Unmittelbare Kosten: Darunter fallen die Kursgebühren, Kosten für Kursunterlagen, Skripten und Fachliteratur sowie die Kosten des PC bei einer Computerausbildung. Bei Fernlehrgängen (eLearning) sind auch die anteiligen Kosten für das Internet absetzbar.
  • Fahrtkosten: Für Fahrten zum Lehrgangsort können die angefallenen tatsächlichen Kosten (z.B. Kilometergelder, Kosten des öffentlichen Verkehrsmittels) angesetzt werden, wenn diese nicht schon durch den Verkehrsabsetzbetrag und ein Pendlerpauschale (für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte) abgegolten sind. Abzugsfähig sind daher nur Aufwendungen für zusätzliche Wegstrecken. Als Nachweis für die Anzahl der gefahrenen Kilometer ist ein Fahrtenbuch mit folgenden Angaben zu führen: Datum, Kilometerstand am Beginn und am Ende jeder Fahrt, Kilometeranzahl, Ausgangs- und Zielpunkt sowie Zweck jeder einzelnen Fahrt. Kann ein solcher Nachweis nicht erbracht werden, ist eine Glaubhaftmachung der Aufwendungen (z.B. mit einer Bestätigung über die Tage des Kursbesuches) denkbar, der allerdings keine so große Beweiskraft zukommt.
  • Tagesgelder: Für Mehraufwendungen bei auswärtiger Verpflegung können Reisediäten geltend gemacht werden, wenn eine Reise im Sinne des Einkommensteuerrechts vorliegt. Das ist bei regelmäßigem Kursbesuch nur für die ersten fünf Tage und nur dann, wenn der Kurs nicht am Wohnort oder Arbeitsort stattfindet, möglich.
  • Kosten auswärtiger Nächtigung samt Frühstück: Kosten für notwendige Nächtigungen am Kursort können in tatsächlicher Höhe oder sofern eine Reise im Sinne des Einkommensteuergesetzes vorliegt auch pauschal mit € 15,- pro Nacht geltend gemacht werden.

Achtung! Davon ausgenommen sind allgemein bildende Maßnahmen (z.B. AHS-Matura) und rein persönliche Ausbildungen (z.B. Persönlichkeitsentwicklung, Führerschein, div. Edelstein- oder Esoterik-Kurse)

 

Weitere Informationen zu diesem Themenbereich finden Sie direkt auf den Seiten des Bundesministeriums für Finanzen oder erhalten Sie über einen Steuerberater.


Zusammenfassung

Es gibt sie also doch die Finanzierungsmöglichkeiten für Bildungshungrige außerhalb der öffentlichen Förderlandschaft. Beachten müssen Sie jedoch - und das haben alle Möglichkeiten gemeinsam - "Schnell geht gar nichts!"

 

Um die passende Finanzierung für sich zu finden, ist es ratsam, in jedem Fall rechtzeitig eine entsprechende Planung und Vorbereitung aufzunehmen und es empfiehlt sich dabei unterschiedliche Möglichkeiten und Varianten für sich "durchzuspielen". Probieren Sie es aus, Sie werden sehen: "Es lohnt sich!"

 

Viel Erfolg!

 

 

 

© by Bildungspartner Österreich - 04|2013

Aus Gründen der sprachlichen Vereinfachung sind alle Aussagen in diesem Text/Dokument geschlechtsneutral zu verstehen.


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Ausbildungsfinanzierung
05.04.2013 | Blogbeitrag "Ausbildungsfinanzierung"
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Weitere Informationen zu Förderungen öffentlicher Stellen finden Sie im Servicebereich der Webseite.

 

Haftungsausschluss

Die auf diesen Seiten enthaltenen Angaben stellen lediglich eine Kurzinformation über mögliche Ausbildungsfinanzierungen dar. Eine vollständige Information zur Beurteilung der Frage, ob in Ihrem konkreten Fall die Möglichkeit einer Finanzierung besteht, sowie über die konkrete Ausgestaltung einer eventuellen Finanzierung erhalten Sie bei Ihrem Arbeitgeber bzw. der jeweiligen bildungsfördernden Institution.


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Kommentare: 3
  • #1

    Petra Jäger (Sonntag, 07 April 2013 18:01)

    super artikel! danke dafür!

  • #2

    Katrin (Dienstag, 27 Januar 2015 10:37)

    Ein sehr informativer Artikel. Das wird einigen sicherlich auch heute noch eine sehr große Hilfe sein.

  • #3

    Lukas Brunbauer (Freitag, 03 April 2015 13:59)

    Ein wertvoller Input für bildungshungrige Menschen!