"Wie ist das bei Ihnen eigentlich mit Abenteuer?"

Diese Frage wurde mir heute im Zuge eines Gesprächs mit Outdoorinteressierten gestellt. Meine Antwort zusammengefasst in wenigen Sätzen:

 

Die Verwendung des Begriffs Abenteuer im Zusammenhang mit Outdooraktivitäten hat in letzter Zeit unglaublich inflationär zugenommen. So wird der Begriff fälschlicherweise etwa für alle möglichen mehr oder wenig gut durchorganisierten Unternehmungen und Erlebnisse in der Natur oder naturnahen Bereichen benutzt, die in Wahrheit mit dem ursprünglichen Begriff des Durchleben eines Abenteuers gar nichts mehr gemein oder zu tun haben.

Als Abenteuer (lat.: adventura: „Ereignis“; mittelhochdt.: aventiure [„das, was geschehen soll“]) ist eine risikoreiche Unternehmung oder auch ein besonderes Erlebnis zu bezeichnen, die sich stark vom Alltag unterscheidet und ein Verlassen des gewohnten- und/oder des sozialen Umfeldes bedingt, um etwas Riskantes, Gefährliches und bislang noch nicht Gewagtes, Un- und Außergewöhnliches mit offenem und ungewissen Ausgang zu unternehmen. Auch der Duden gibt - wenn man sich Mühe gibt ihn zu lesen - unmißverständlich Auskunft und stellt fest, das es sich bei einem Abenteuer um ein außergewöhnliches und erregendes Geschehen handelt, das mit gefahrvollen Situationen verbundenen ist, die jemand zu bestehen hat.

 

Ein Abenteuer zeichnet sich also zumindest durch „neue und ungewöhnliche Situationen“, „Risiken“, „Ungewissheiten“ und „Unsicherheiten“, „Gefahren“, „das einer Situation und unwirtlichen Bedingungen ausgesetzt bzw. ausgeliefert sein“, mit „unvorhersehbarem Ausgang“ und „besonderen körperlichen, psychischen, sozialen und technischen Anforderungen“ aus. Zudem hat das echte Abenteuer per Definition „keinen Sicherheitsboden“ und kann als solches auch nicht nachgestellt oder simmuliert werden. Ein Abenteuer durchlebt man oder eben nicht und dann ist es etwas anderes auch wenn man dazu Abenteuer sagt. Vor diesem Hintergrund und Verständnis sind Aussagen von Teilnehmenden wie „Das war kein Abenteuer“, „Bitte was war daran ein Abenteuer“, „Abenteuer schauen aber anders aus“, „Sie wollen mir doch nicht sagen, das war ein Abenteuer!“, „Das ist doch lächerlich, das als Abenteuer zu bezeichnen!“ u.v.m. verständlich und nachvollziehbar.

 

Um Ihre Frage zu beantworten, kann ich sagen, dass Abenteuer bei unseren Programmen keine Rolle spielt. Ganz einfach, outdoorpädagogische Programme sind - wenn man so will - Entdeckungs- und Erfahrungsreisen in die persönliche Wahrnehmungs-, Verstehens- und Kompetenzwelt, sowie dem bewussten und aufmerksamen miteinander Arbeiten, um gemeinsam unterschiedlich komplexe Aufgaben- und Problemstellungen im Lern- und Entwicklungsraum Natur zu lösen. Warum das Ganze? Um das gewohnheitsmäßige Wahrnehmen, Verstehen, Denken, Handeln und miteinander Umgehen zu erweitern, indem neue Varianten hinzugefügt und bislang noch nicht ausprobierte Möglichkeiten durchgespielt und mit unterschiedlichsten Modifikationen und Differenziernugen angereichert werden.

 

„Sehr gut“, sagte der Interessierte und seine Kollegin reagierte darauf augenzwinkernd und schmunzelnd in dem sie sagte: „Vielleicht ist aber die Teilnahme an verschiedenen Outdoorprogrammen demnach tatsächlich ein echtes Abenteuer!?“

 

Wien - MH/28.01.2014

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