Der Mythos vom guten und schlechten Stress!

Bildungspartner Österreich
Stress mit dem Stress

 

Stress - Aufklärung hinsichtlich eines weit verbreiteten Missverständnisses

 

Der Mediziner Hans [János] Selye (übrigens ein geborener Wiener) ging in den 1950er Jahren als einer erster den biologischen Stressprozessen im Körper nach und vermachte der Nachwelt mehr zufällig als bewusst das Konzept von „Eu- und Distress“. Was man dazu aber unbedingt wissen sollte:

 

Selye beschrieb Stress nicht als Kampf- und/oder Fluchtreaktion höherer Tiere, sondern als ganz allgemeines Adaptationssyndrom (Selye-Syndrom), durch das diese Lebewesen in die Lage versetzt werden, allen möglichen Arten von Anforderungen zu aktiv zu begegnen. Er betonte stets, dass Stress etwas sehr Sinnvolles und vor allem Nützliches ist (Eustress, guter Stress). Wenn jedoch die Stressmechanismen überfordert werden, kommt es zu schädlichen und sogar tödlichen Reaktionen. Bei den von ihm untersuchten Laborratten nannte er dieses Phänomen Distress (dys - griech = schädlich).

 

Seitdem geistern die Begriffe »guter« und »schlechter« Stress durch die populärwissenschaftliche Literatur und werden mit einer Unzahl von einfachen bis hin zu wirklich eigentümlichen Beispielen dargestellt.

 

Die Begriffe Eustress und Distress werden von den Experten/innen in dieser Thematik schon lange nicht mehr gebraucht. Sie wissen, dass Stress weder gut noch schlecht ist, sondern es unabhängig von den Reizen und Ereignissen immer "nur" auf die richtige Dosis ankommt - auf eine bestmöglich ausgeglichene Bilanz und Balance zwischen Stress- und Erholungsphasen, in denen der Organismus sich regenerieren kann.

 

Suchen Sie also bitte nicht nach gutem Stress, sondern achten Sie einfach auf einen guten Ausgleich zwischen dem das Sie anspannt und dem das Sie entspannt.

Autor: Manfred Hofferer

Jahrgang 1962, studierte u.a. Bildungs- und Erziehungswissenschaften an der Universität Wien und ist der wissenschaftlich-pädagogische Leiter der Bildungspartner Österreich. In der Vergangenheit engagierte er sich für pädagogische und therapeutische Projekte und Ausbildungen im Sektor Kinder-, Jugend- und Erwachsenenbildung. Nun widmet er sich schwerpunktmäßig pädagogischen Themen vom Ausbildungsabschluss über den Berufseinstieg bis hin zum Arbeitsalltag.

 

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