Vom IST und SOLL

Bildungspartner Österreich, Pädagogik, Coaching, Beratung

... oder wie mit Begriffen gespielt werden kann!

Im Zuge der Diskussion um das Thema "Wer darf was" taucht immer wieder das Argument auf, dass immer dann, wenn ein sogenannter "Ist-Soll Vergleich" am Beginn einer Tätigkeit steht, quasi automatisch ein Gewerbeschein als Unternehmens- oder Lebens- und Sozialberater/in erforderlich ist.

 

Aus bildungswissenschaftlicher Sicht muss dazu festgestellt werden, dass verantwortliche Pädagogen/innen in jedem Fall vor jeder Lehr- und Lerneinheit einen "IST-SOLL Vergleich" - also, wo stehen meine Teilnehmenden am Anfang und wo am Ende der Einheit? - anstellen. Dementsprechend wird dann auch der Inhalt der Lehreinheiten gestaltet und vorbereitet; ergänzt mit Rollenspielen, Diskussionsrunden, gruppendynamischen Einheiten oder Paar- und Kleingruppenarbeiten. Daraus ergibt sich folglich zwingend, dass Pädagogen/innen diese Prozesses entsprechend auch als Instruktoren/innen, Moderatoren/innen begleiten und leiten müssen und dabei unterschiedliche Interventionstechniken und -methoden einsetzen, ein Krisenmanagement im Hinterkopf haben, selbstverständlich Coaching einsetzen, bei Problemen mediieren um schließlich auch als Reflektoren/innen zur Verfügung zu stehen. Zudem kommt der Umstand - und blind ist, wer das nicht sehen mag -, das in einem pädagogischen Prozess immer auch - und auch zu unterschiedlichen Themenbereichen - unterschiedliche Beratungselemente enthalten sind. Und ohne Frage werden Einstellungen, Werte, Ziele, Absichten, Wünsche, Ideen, Probleme, Schwierigkeiten als Themen den Lernprozess mehr oder weniger dominant umrahmen und begleiten.

 

Dazu muss dem Umstand Rechnung getragen werden, dass  in einem pädagogischen Prozess nie explizit ausgeschlossen werden, das sich unter den Teilnehmenden auch Personen befinden, die z.B. unter psychischen Störungen leiden und dem ICD-10 nach als Krank einzustufen wären. Eine "Behandlung" - wie sie z.B. den Psychologen/innen oder Ärzten/innen vorbehalten ist - liegt Pädagogen/innen selbstverständlich fern, aber die Arbeit an der Entwicklung im jeweiligen Themenkontext, bleibt dennoch das ausgewiesene Ziel.

 

Das Ziel der Pädagogik ist zwar primär die Wissensvermittlung, aber in gar nicht so seltenen Fällen ergibt sich auch der Umstand, dass gerade durch die gezielte Wissensvermittlung und die Auseinandersetzung mit dem Lernthema auch eine gezielte Persönlichkeitsveränderung der Teilnehmenden durch die Pädagogen/innen angestrebt bzw. sogar explizit intendiert ist. Wie sonst könnten Themen wie Ernährung, Burn Out, Kommunikation, Verhalten, Identität, Psychohygiene oder Stressprophylaxe er- und bearbeitet werden!?

 

Ein weiterer Begriff, der in der Diskussion um das "Wer darf was?" immer wieder auftaucht, ist der der Veränderung. Auch dazu kann aus der Sicht der Pädagogik nur festgestellt werden: Selbstverständlich stellt sich in nahezu jeder Situation, in der etwas Neues erfahren oder erlernt wird, auch zwangsläufig mit dem Zugewinn von neuem Wissen, ein Persönlichkeitbildungs- und entwicklungsprozess ein. Wäre das nicht der Fall, hätte die Pädagogik ihr Ziel verfehlt.

 

Ein grober Irrtum, wer glaubt, diese Überlegungen gelten nur für die Bildungsarbeit bei Kindern- und Jugendlichen. Nein gerade auch in der Erwachsenenbildung sind diese Prozesse quasi (mehr oder weniger laute) automatische "Begleitgeräusche" mit denen Pädagogen/innen seit je her proaktiv und in der Situation aktiv umgehen können müssen. Definiert sich der Begriff Bildung in seinem innersten doch immer auch durch den Umstand der Veränderung über den Zugewinn von Wissen.

 

Und was meinen Sie, "Wer darf jetzt was?"

 

Autor: Manfred Hofferer

Jahrgang 1962, studierte u.a. Bildungs- und Erziehungswissenschaften an der Universität Wien und ist der wissenschaftlich-pädagogischer Leiter der Bildungspartner Österreich. In der Vergangenheit engagierte er sich für pädagogische und therapeutische Projekte und Ausbildungen im Sektor Kinder-, Jugend- und Erwachsenenbildung. Nun widmet er sich schwerpunktmäßig pädagogischen Themen vom Ausbildungsabschluss über den Berufseinstieg bis hin zum Arbeitsalltag.

 

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