Microlearning

Didaktik Lernen Microlearning

Didaktische Herausforderungen

Immer häufiger kommen sogenannte Microlearningeinheiten in der Erwachsenenbildung als eigenständige Lerntools oder auch seminarbegleitend in Kombination mit E-Learningeinheiten zum Einsatz. Daher wird auch immer immer öfter an uns die Frage gerichtet: „Was das eigentlich ist und worauf muss man aus didaktischer Sicht bei der Gestaltung Rücksicht nehmen?

 

Hier ein Auszug aus unserem Workshop: „In der Kürze liegt die Würze“ Die Bildungspartner arbeiten mit folgender Begriffsfassung: Mit dem Begriff Microlearning werden sehr kurze Lerneinheiten (Microcontents) bezeichnet, die - wenn gut gemacht - den Lernenden in kürzest möglicher Form mehr oder weniger kompelxe Themen vermitteln und gleichzeitig unmittelbar Feedback über ihre Lernleistung geben. Mit dieser Definition ergeben sich für Gestalter/innen zumindest acht didaktische Herausforderungen:

  1. Beim Microlearning ergibt sich das Problem, dass mitunter komplexe Inhalte in einer kleinst möglichen Zeiteinheit untergebracht werden müssen. Aus diesem Grund ist auf die didaktische Reduktion des Themas in besonderer Weise bedacht zu nehmen, um entsprechende Themen inhalts- und sachlogisch korrekt transportieren zu können.

  2. Mit der didaktischen Reduktion eng verbunden ist der Umstand, dass bei der Erarbeitung des Themas besonders auf die anzusprechende Zielgruppe bedacht genommen werden muss (Aufbau, Dramaturgie, Sprache, Darstellungsform etc.)

  3. Hinsichtlich des Aufbaus des Lernthemas ist darauf Rücksicht zu nehmen, dass dieses den Nutzenden mit geringst möglicher Vorbereitungszeit zur Verfügung steht, sodass diese auch in sogenannten „Überbrückungszeiten“ bearbeitet werden können, z.B. Warten an einer Haltestelle, beim Arzt oder Büro, während einer Bus- oder Bahnfahrt usw.

  4. Microlearningeinheiten werden in der Regel von den Nutzenden über mobile Endgeräte abgerufen und dabei im Besonderen in den zuvor angesprochenen „Überbrückungszeiten“. Die didaktische Herausforderung besteht darin, dass sowohl das Design wie auch der Aufbau und das Arrangement des Lernthemas so „einfach“ gestaltet sein muss, das dieses in diesen eher unruhigen und ablenkungs- sowie unterbrechungsanfälligen Situationen nutzbringend abgearbeitet werden kann.

  5. Wie schon die Definition vorgibt, liegen die Bearbeitungszeiten beim Microlearning bei wenigen Minuten (4 bis max. 8). Daraus ergibt sich die fünfte didaktische Herausforderung und diese besteht darin, dass die Lernaufgabe selbst und das damit verbundene direkte Feedback bestmöglich ansprechend und motivierend aufgebaut sein müssen und jede Langatmigkeit und Ausschweifung vermieden werden muss.

  6. Des weiteren ist es schon bei der Planung wichtig sich darüber Gedanken zu machen, welche Feedbackformen und -arten neben den altbekannten Mehrfach- oder Quizantworten eingesetzt werden können um nicht nur die Attraktivität sondern auch die Behaltensleistung der Lernenden zu erhöhen.

  7. Eine ganz besondere didaktische Herausforderung besteht darin, dass auch in dieser Kurzform der Wissensvermittlung die Absichten und Ziele klar offengelegt werden und auf jede Form der Ideologisierung des Lerninhalts verzichtet wird. D.h., zum Verständnis der Grundlagen der Kommunikation - z.B. Sender-Empfängermodell - braucht es nicht zwingend einen wie auch immer ideologisch überformten Anwendungsrahmen, in welchen die Lernaufgabe einpackt ist.

  8. Und schließlich besteht auch darin eine besondere didaktische Herausforderung, das Lernthema von der Ebene des bloß individuellen Memorierens auf die Ebene des kollektiven Austauschens und in sozial strukturierte Aktivitäten einzubinden.

Wer bei der Erarbeitung seiner/ihrer Microlearningeinheiten diese acht Aspekte berücksichtigt wird rasch ein positives Feedback seiner/ihrer Nutzenden bekommen. Probieren Sie es aus und erarbeiten Sie ein eigenes Wunschthema anhand dieser Überlegungen.


Autor: Manfred Hofferer

Jahrgang 1962, studierte u.a. Bildungs- und Erziehungswissenschaften an der Universität Wien und ist der wissenschaftlich-pädagogischer Leiter der Bildungspartner Österreich. In der Vergangenheit engagierte er sich für pädagogische und therapeutische Projekte und Ausbildungen im Sektor Kinder-, Jugend- und Erwachsenenbildung. Nun widmet er sich schwerpunktmäßig pädagogischen Themen vom Ausbildungsabschluss über den Berufseinstieg bis hin zum Arbeitsalltag.


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