Jugendliche richtig führen

Jugendliche richtig führen

Na ja, so ganz von selber geht´s halt nicht!

Die Grundsätze zur Führung von Mitarbeitenden sind mittlerweile weithin bekannt und können im Grunde bei Führungskräften vorausgesetzt werden. Sehr viel weniger Informationen und vor allem Kompetenzen findet man im Zusammenhang mit der Führung von Lehrlingen bzw. jugendlichen Mitarbeitenden.

Für den Umgang mit jugendlichen Mitarbeitenden gelten im Unterschied zur Arbeit mit Erwachsenen eigene Gesetzmäßigkeiten und Regeln. Damit man der Jean-Paul Satre´schen Ansicht „Jugend will, dass man ihr befiehlt, damit sie nicht gehorchen muss“ entkommt, haben wir für Sie die wichtigsten Aspekte zusammengefasst:

Nicht Fisch, noch Fleisch

Lehrlingsausbilder/in bzw. für junge Mitarbeitende verantwortliche Ausbilder/innen müssen sich stets bewusst machen, dass sich die Persönlichkeit der Jugendlichen sowie ihre kognitiven und handwerklichen Fähigkeiten noch in Entwicklung befinden und sie selbst einen entscheidenden Anteil an dieser Entwicklung haben. Sich in das Unternehmen einzufügen, mit den eigenen Kräften gut haushalten und umgehen können, ruhig, überlegt und weisungsgemäß anstehende Arbeiten zu erledigen oder gewissenhaft vorgehen kommt nicht von selbst oder aus heiterem Himmel. Das braucht klare Informationen, Anleitung, ein gezieltes Heranführen an die Aufgaben und vor allem gute und geduldige Vorbilder.

Die wichtigsten Anforderungen dafür sind:

  • eine positive Haltung gegenüber der Jugend und seiner Besonderheiten

  • der Verzicht auf Spiele wie „Früher, als ich noch Lehrling war...“, „Wer ist hier der ältere/erfahrenere“, Überlegenheitsdemonstrationen wie z.B.: „Jetzt zeig ich dir einmal wie das ein Profi macht...“ u.ä.

  • gute Fehlertoleranz

  • ausgeprägte Kontakt- und Kommunikationsfreude

  • Vertrauen in die Entwicklungsfähigkeit

  • bewusste Vorbildwirkung

  • klare Abgrenzung

Jeder Kuchen hat ein Rezept

Das alleine reicht jedoch noch nicht! Eine gute Ausbildungs- und Führungskraft für Lehrlinge bzw. jugendliche Mitarbeitende benötigt zudem Kompetenzen in folgenden Bereichen: Sie muss

  • in der Lage sein und Lust haben, in der täglichen Orientierung und Hinwendung zu den Aufgaben und Anforderungen zu unterstützen

  • selbstständiges Arbeiten ermöglichen, einfordern aber auch konsequent zulassen können

  • ein Geschick darin haben und zeigen zu beteiligen und zu involvieren

  • Verantwortung für einzelnen Aufgaben, Bereiche oder Arbeiten übergeben können

  • Stärken erkennen, betonen, hervorheben und darauf aufbauen wollen

  • Kritik ohne Abwertung formulieren können

  • Schwächen explizit als gemeinsames Entwicklungs- und Lernpotential verstehen

  • individuelle Ein- und Unterweisung anbieten und mit anschaulichen und verständlichen Instruktionen arbeiten können

  • die individuelle Aufnahme-, Leistungs- und Belastungsfähigkeit im Auge haben und angemessen berücksichtigen

  • Rückschläge und Krisen erkennen und darauf motivierend eingehen können

  • Abwechslung in den Aufgaben und täglichen Erledigungen und Arbeiten schaffen

  • angepasste Beobachtungs-, Ruhe-, Pausenzeiten anbieten

  • die Initiative und Selbsttätigkeit anregen und behutsam entwickeln und fördern

  • Begleitung und Unterstützung in der Entwicklung von betrieblichen Gewohnheiten anbieten

  • Diskrepanzen und Konflikte als Chance und Beginn einer Entwicklung von Neuem verstehen und nutzen

  • gemeinsam (kurz-, mittel- und langfristige) Ziele setzen und diese auch gemeinsam erreichen wollen

So sieht das die Jugend

Hört man bei Jugendlichen ganz genau hin, dann zeichnet sich für sie eine gute Führungskraft durch folgende Eigenschaften aus:

  • höflich

  • freundlich

  • vorausschauend

  • selbstbeherrscht

  • aufmerksam

  • offen

  • anschlussfähig

  • gerecht und klarerweise

  • in der Sache kompetent

Aus der Kombination und Summe dieser einzelnen Faktoren aus den Abschnitten „Nicht Fisch noch Fleisch“, „Jeder Kuchen hat ein Rezept“ und „So sieht das die Jugend“ ergibt sich, dass sich die Lehrlinge bzw. jugendlichen Mitarbeitenden nicht nur ernst- und entsprechend respektvoll aufgenommen, behandelt und in ihrer persönlichen und fachlichen Entwicklung begleitet und unterstützt fühlen, sondern sie sich auch als wertvolle - und in ihren Tätigkeitsbereichen wichtige und produktive - Mitarbeitende des Unternehmens erleben.

 

Autor: Manfred Hofferer

 

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