Burnout

Burnout, Medienebola in Österreich?

Ein "Medienebola" in Österreich?

Kein Tag vergeht an dem man nicht auf irgendeine Weise mit dem Thema über eine Hiobsbotschaft oder Heilsmeldungmeldung in Berührung kommt. Tippt man das Wörtchen „burnout“ in die Suchmaschine, erscheinen flux 45.500.000 Einträge!

 

Glaubt man der flotten Berichterstattung, dann leidet und siecht Frau, Mann (in allen Berufs- und Arbeitsbereichen), Mama, Papa, Oma, Opa, Kind, Jugendlicher, Hund und Wellensitich an diesem eigenartigem Virus. Wahre Horrorzahlen schwirren durch die Luft und es ist gleich einmal die Rede von 500.000 Erkrankten, über 1.000.000 Gefährdeten und dazu fühlen sich bis zu 2.000.000 Österreicher überarbeitet und von tiefer Erschöpfung bedroht. Und fast scheint es so, dass sogar die gewerblichen Gesundmacher/innen, die, welche das Thema mächtig in der Werbung forcieren, eigentlich Besserung versprechen unter genau demselben laborieren.

 

Wie kann man das noch sehen?

Auch bei bester Recherche wird man feststellen, dass es in Österreich keine organisierte und systematisierte Erfassung des Burnout´s gibt. Dieses Syndrom ist in der Internationalen Klassifikation der Erkrankungen (ICD 10) auch nicht als Krankheit deklariert. Das typische Erscheinungsbild ist dort ganz allgemein als „Ausgebranntsein“ und mit dem „Zustand der totalen Erschöpfung“ über den Diagnoseschlüssel Z73.0 erfasst. Man muss wissen, dass der Abschnitt „Z“ (für Zusatzdiagnose) alle jene „Faktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen und zur Inanspruchnahme des Gesundheitswesens führen“ enthält. D.h., Burnout ist zwar ein Einflussfaktor, aber kein Syndrom und keine eigenständige Krankheit.

 

Und da ist noch ...

Es muss in jedem Fall angemerkt werden, dass die zur Zeit nicht gegebene diagnostische Abgrenzung zu anderen psychischen und psychiatrischen Erkrankungen es schwer bis unmöglich macht festzustellen, um welche Größe von Betroffenen es sich tatsächlich handelt. Desweiteren muss berücksichtigt werden, dass bis dato keine umfassende österreichweite Erhebung zur Gefährdung bzw. Betroffenheit von Burnout existiert. Obwohl eine Reihe von Studien zum Thema vorliegen, beziehen sich diese in erster Linie auf ausgewählte Ziel- oder Berufsgruppen. Das heißt aber auch, dass nur in diesen einzelnen Bereichen Schlussfolgerungen bzw. Einschätzungen hinsichtlich Burnout und Häufigkeit nachvollziehbar und zulässig sind.

 

Ohne Stress und unaufgeregt

Wenn man ein wenig unaufgeregter an die Sachlage herangeht, bleiben am Ende Ergebnisse, die weit von den in den Medien kolportierten und von den gewerblichen Gesundmacher/innen zelebrierten Zahlen abweichen. Konkret heißt das, dass derzeit realistisch - so stellt Mag. Bernd Bruckmann fest - davon ausgegangen werden kann, dass bezogen auf die Anzahl der Erwerbstätigen 7% - also rund 290.000 Menschen betroffen sind. Um ein Verhältnis in der Größe zu bekommen ein Vergleich: Die Statistik Austria weist bei ihrer „Österreichischen Gesundheitsbefragung 2006/07 aus, dass 12% der Männer und 13% der Frauen krankhaft übergewichtig (ICD 10, E66.0/1/2/8/9) sind.

 

Bitte nicht falsch verstehen!

7 % ist eine nicht zu unterschätzende Größe und genau diesen Betroffenen steht es zu, dass sie selbstverständlich und in aller Ruhe eine entsprechend fundierte fachliche Hilfe durch Mediziner/innen, Psychologen/innen und Psychotherapeuten/innen in Anspruch nehmen können. Ob des derzeitigen hypertrophen Zahlenhypes und den zunehmend eigentümlich werdenden Beratungs- und Behandlungsangeboten zeichnet sich - wenn man die launigen Kommentare zum Thema in den Alltagsgesprächen der Menschen ernst nimmt - eher die Tendenz ab, dass es augenzwinkernd als „Jetzt mach ich halt einmal eine Pause-Krankheit“ abzuwerten. Erst neulich habe ich den gehört: Was ist eine Medizinerin ohne Anzeichen von Burnout? Arbeitslos! (… schenkelklopfendes Gelächter in der Runde!)

 

Autor: Manfred Hofferer

 

Wer es genau wissen möchte kann hier nach- und weiterlesen:

  • O.Univ. Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Friedrich Schneider und Dr. Elisabeth Dreer, Msc (2013) Johannes Kepler-Universität Linz: http://www2.qiquadrat.at/uploads//Masterarbeit_BURNOUT_Bernd_Bruckmann_121112.pdf (abgerufen 04.04.2015)
  • Mag. Bernd Bruckmann (2012) Die Wahrheit über Burnout? Zahlen, Daten, Fakten aus validen und reliablen Quellen in Österreich: http://www.energiemanagement.pro/app/download/8227577684/Studie_UNI_Linz_Burnout_Volkswirtschaft _041213.pdf?t=1414393696 (abgerufen 04.04.2015)

 

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