Digital-Detox!

Was ist an der Sache dran?

Ein neuer Trend? Kommt das Glück jetzt auch zu mir?

Erstaunlich was in der Gesundheits- und Heilversprechungsszene sowie zunehmend in den Tourismusankurbelungsköpfen „blüht“ und an „neuen“ Konzepten heranwächst. Eine ganz quirlige Spielart breitet sich derzeit unter der Trendbezeichnung „Digital-Detox“ langsam aus. Klingt nach etwas Besonderen, meint aber im Grunde nur: Digitales Entschlacken bzw. gemeinsamer Verzicht auf die übermäßige Nutzung moderner Kommunikationstechnologien.


Aha! Es handelt sich bei derartigen Angeboten also um „Entschlackungskuren von gesundheitsgefährdender digitaler Verschmutzung, die als Folge übermäßigen Stress, Ausgebranntsein und Erschöpfung und was weiß man noch was da die Folge ist“. Mehr dazu später. Es wird also mit Nachdruck dem Handy, Facebook, Twitter, Google+, der täglichen E-Mailflut, dem Internet und den bösen digitalen Geräten insgesamt der Kampf angesagt! Kurze Recherche: Das Ziel: Entspannung, innere Ruhe, Gelassenheit und unendliche Ausgeglichenheit. Viel mehr noch – so die Anbieter/innen - geht es um Bewusstwerdung, Entsklavung und Befreiung von der Abhängigkeit moderner Kommunikationstechnologien. Man zeigt als Teilnehmende, dass man wirklich ein Mann/eine Frau ist und auch ganz ohne kann!


Frei von Abhängigkeiten

Aha, aus diesem Grund lädt man in Offline-Camps oder checkt selbst in sogenannten "Black Hole-Hotels" (Offline-Betrieb) ein. Ganz ohne Handy-Empfang, Internet und Fernseher aber alle Zimmer sind mit Bidet, Bügeleisen und -Bügelbrett (auf Anfrage) ausgestattet. Gezielt angesprochen werden in der Bewerbung im Besonderen digitale Vielnutzer/innen, die bereits unter den Folgen von einem Informations-Overload leiden und Menschen bei denen sich schon die ersten Anzeichen von Internetabhängigkeit einstellen. Das sind laut Zielgruppenbeschreibungsrecherche vornehmlich Manager, Führungskräfte sowie Menschen mit Personalverantwortung; also solche, die sich derartige Angebote auch leisten können! Auf Voice of America kann man über das Programm lesen: „The rules of this “digital detox” camp are clear: No work talk, no alcohol, no first names or discussion of ages, and most importantly, no phones, computers, tablets or watches.“ Und um dem Aufkommen möglicher Entzugserscheinen vorzubeugen wird von den Veranstaltenden mit Erlebnis-, Sinnes- und Abenteuerwanderungen, Entspannungscoachings, Lifestyleberatung, Mediationen, Yoga, kulinarischen Spaziergängen, zukunftsorientierter Ernährung und mittels Einzelgesprächen reagiert.


Altlasten loswerden

Jetzt zurück zu „Mehr dazu später“. Entschlackung: Damit eine Entschlackungskurs sinnvoller Weise gemacht werden kann muss man sich - dieser Denkweise folgend - vorher mit allen möglichen „Giften“ anreichern. Erst dann kann der Körper von diesen „Altlasten“ des modernen Lebens (z.B. Alkohol, ungesunde Ernährung, Rauchen, Medikamentenrückstände, Umweltbelastungen durch Schadstoffe u.v.m.) wieder befreit werden. Die Detox-Gurus sind daher der Überzeugung, dass der Körper von Zeit zu Zeit; im Grunde regelmäßig, entgiftet und generalsaniert gehört. Damit - so die Werbeversprechen - verschwinden Allergien, Schlaflosigkeit mündet in einem erholsamen Tiefschlaf, Schmerzen hören auf, Konzentrationsschwächen lassen nach, Müdigkeit verwandelt sich in geballte Energie, das Infektionsrisiko sinkt ganz allgemein und insgesamt fühlt man sich wieder wie ein durch und durch gesunder Mensch!


Super - Das klingt wirklich gut

Klänge gut, wenn es da nicht einen Hacken gäbe! Die intensive Recherche zur Wirksamkeit von Entschlackung hat ergeben - sowie [1] u.a. [2] auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung zu dem Begriff „Entschlacken“ feststellt -, dass diese wissenschaftlich nicht begründbar und keine Wirksamkeit bekannt ist. Auch wenn die Werbung für Entschlackung mitunter wissenschenschaftliche Begriffe verwendete, kann kein Anbieter Wirknachweise dazu bieten. Das bedeutet aber auch, dass alle "Detox"-Anwendungen, wie spezielle Getränke, Pulverchen oder "Entgiftungs"-Pflaster u.ä. komplett in den Bereich der bloßen Geschäftemacherei gehören. Einmal ganz im Ernst: Genau so wenig wie es in einem gesunden menschlichen Körper keine Ansammlung von Schlacken und Ablagerung von Stoffwechselprodukten gibt, ist auch das „digitale Entschlacken“ eher in den Bereich „Marketingprodukt“ einzuordnen denn ein seriöses Gesundheitsangebot!


Wo ist also die Gemeinsamkeit?

Für alle Detox-Anwendungen gilt, dass keine Wirksamkeit nachgewiesen und gegeben ist und sogar mit unerwünschten Nebenwirkungen gerechnet werden muss.


Unser Tipp: Schließen Sie Ihre Projekte bis Freitag ab. Sollte Arbeit liegen bleiben delegieren Sie diese an eine/n Stellvertreter/in oder lassen diese bis zum kommenden Montag liegen. Für die Aufgaben, die sich nicht delegieren können erstellen Sie sich eine To-do-Liste (auch diese bleibt über das Wochenende im Büro), die sie kommende Woche gezielt abarbeiten. Und dann: Ab ins Wochenende zu all dem was sich unter der Woche nicht ausgegangen ist: Wandern, Radfahren, Ausschlafen, Therme, Bergsteigen oder wozu Sie noch Lust haben. Und wenn Sie ohne moderne Kommunikation auskommen möchten, dann können Sie z.B. in der Steiermark in 14 Hotels buchen und wird dort garantiert von keinem Handy läuten, keiner Fernsehversuchung oder Internetverlockung abgelenkt. Die Nachrichten kann man dann zur Not auch im Dorfgasthaus bei einem gemütlichen - halt: Entsagung, no alcohol - Glas Quellwasser verfolgen.


Zum Abschluss noch ein Hinweis: Wer sich im Urlaub bzw. in seiner arbeitsfreien Zeit befindet braucht arbeitsrechtlich keine Sanktionen zu fürchten wenn er oder sie nicht online ist. Niemand ist verpflichtet, in der Freizeit zu arbeiten. Handy aus, Laptop aus, das entscheiden Sie ganz alleine!


Autor: Manfred Hofferer


Wer es genau wissen möchte kann hier nach- und weiterlesen:

  • [1] Ernst Edzard (2012): Alternative Detox. Br Med Bull. 101:33-8. doi: 10.1093/bmb/lds002. Epub 2012 Jan 31. http://bmb.oxfordjournals.org/content/101/1/33.long (aufgerufen am 18.03.2015)

  • [2] Deutsche Gesellschaft für Ernährung (2005) Heilfasten. Zitiert nach www.dge.de/modules.php?name=News&file=article&sid=468 (aufgerufen am 18.03.2015)


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