Quatsch oder Qualität

Quatsch oder Qualität?

Wie beantworten Sie die Frage?

Die Gespräche mit unseren Bildungsinteressierten in den letzten Monaten haben mich zu diesem Beitrag veranlasst. Wie jede/r leicht sehen konnte, wächst der „zertifizierte Bildungsmarkt" beständig und es stellt sich damit auch zunehmend eine neue Unsicherheit ein. Eine der Kernfragen, die wir immer wieder beantworten müssen ist: Woran erkenne ich, ob jemand wirklich Qualität liefert? Bei der Betrachtung der Angebotslandschaft kann man - neben anderen Faktoren wie z.B. handelnde Personen, Ausbildungshintergrund, einschlägige Berufspraxis, politische, kulturelle oder ideologische Ausrichtung u.ä. - seine Aufmerksamkeit zumindest auf drei Aspekte lenken:

 

Glitzer und Glemmer

Gar nicht so wenige Bildungsinteressierte verwechseln die äußere Aufmachung - quasi die Verpackung eines Angebots - mit dem, das als Inhalt geboten wird. Man kann aber auch sehr leicht von der äußeren Erscheinung geblendet werden, da der Blick auf die Inhalte von Bildungsangeboten in den Ausschreibungen nur stichwortartig oder gar nicht gegeben ist.

In jedem Fall kann man feststellen: Nur weil etwas im ersten Moment im Hochglanz und werbetechnisch bestens zielgruppenorientiert aufgemacht erscheint, lässt das noch lange nicht darauf schließen, dass auch die Inhalte entsprechend qualitätvoll sind.

Fazit: Nicht alles was glänzt, ist gleichzeitig auch gut!

 

Auf den Inhalt kommt es an!

Im Grunde geht es bei allen Bildungsangeboten im Kern immer darum, Inhalte zu vermitteln, welche die Basis für Wissen, die Entwicklung von Kompetenzen und vor allem die Förderung eigenständigen und kritischen Denkens bilden. Diese Elemente bildet die notwendige Grundlage zur Erreichung der Ziele. Solche Ziele können u.a. sein:

  • das Nachholen verpasster Bildungschancen während der ersten Bildungsphase

  • die Ermöglichung von sozialem Aufstieg

  • die Anpassung an veränderte gesellschaftliche oder/und berufliche Gegebenheiten und Anforderungen

  • eine berufliche Aufqualifizierung oder Spezialisierung

  • die Erweiterung der Kenntnisse in bestimmten Interessengebieten

  • die Herstellung von Chancengleichheit

  • u.v.m.

Das Fundament qualitätsbewusster Bildungsarbeit sind Inhalte, die auf wissenschaftlich gesicherten Theorien basieren und als solche nachvollzieh-, wiederholbar und verlässlich sind. So gibt es unbestritten für den Bereich Kommunikation ausreichend gesichertes Material, sodass man nicht auf z.B. die esoterische Kommunikationstheorie des neurolinguistischen Programmierens zurückgreifen müsste.

Das ist für den/die bildungsinteressierte/n Laien/in gar nicht so einfach zu erkennen! Denn auch in als „seriös“ gekennzeichneten Bildungsangeboten wird mit mehr oder weniger fragwürdigen inhaltlichen Seminar- und Theoriekonstruktionen gearbeitet, die eine starke inhaltliche Verwandtschaft mit der Astrologie, der Kinesiologie, der Arbeit mit Heilsteinen, der Energetik, dem Reiki oder der Aufstellungsarbeit haben.

Fazit: Nicht jeder Inhalt ist auch wirklich immer „sauber“!

 

Das, WIE und WOMIT, spielt eine entscheidende Rolle

Neben Form und Inhalt ist ein dritter Aspekt wichtig, der betrachtet werden muss. Auch für den Fall, dass inhaltlich mit gesicherten Theorien gearbeitet wird, sollte immer ein Augenmerk auch darauf gelegt werden, mittels welcher Methoden die Inhalte zugängig gemacht, transportiert und bearbeitet werden. Sehr leicht schleichen sich still und heimlich durch die Hintertüre obskure Methoden und Techniken in die Bildungs- und Vermittlungsarbeit ein. Beispiele solcher wären:

  • Aufstellungsarbeit in einem Seminar mit dem Titel „Grundlagen der Konfliktkultur“,

  • Energetisierungsübungen a la Kinesiologie mit Wassertrinken, rechts-links, oben-unten, vorne-hinten Balance oder Ohrmuschelmassagen bei Bildungsseminaren zum Thema „Basiswissen zu Stress und Stressbewältigung“,

  • austeilen von Glück- und/oder Heilsteinen bei „Kommunikationsseminaren“,

  • das Hände ballen und umschließen des Daumens, um den Stoffwechsel zu beruhigen und zu verlangsamen im Seminar mit dem Titel „Teambildung

  • Schattenarbeit wie sie im NLP praktiziert wird bei einem Seminar mit dem Titel „Mitarbeitendenmotivation“.

  • Das Kristalle aufstellen im Seminarraum, um diesen von negativen Energien zu reinigen zum Thema „Die täglichen Herausforderungen im Job gezielt meistern

  • Die „Ostung“; Ausrichtung der Seminareinrichtung nach Osten, wie sie gerne von Anhängern/innen des Feng Shui praktiziert wird in diesem Fall bei einem Seminar zum Thema „Zielerreichung

  • Die Arbeit mit der „Sag HALLO-Methode (Heilung)“ bei der vermittels tiefem Ein- und Ausatmen sich alle Probleme wie von selbst auflösen - wovon Energetiker/innen überzeugt sind - zum Bildungsthema „Achtsamkeit

  • Vorstellungsübungen bei denen Teilnehmenden z.B. angeraten wird an einen Wasserfall aus weißem oder goldenem Licht zu denken, der das Energiefeld von allem reinigt, was nicht nützt, in einem Workshop mit dem Thema „Führungsarbeit

  • Seminareinleitendes, begleitendes und abschließendes Mandalatanzen in einem Seminar zum Thema „Kompetenzentwicklung: Umgang mit schwierigen Kunden/innen

  • u.v.m.

Eine der Forderungen der Bildungspartner Österreich ist schon seit langer Zeit, dass in der Erwachsenenbildung auch die zum Einsatz gebrachten Methoden wissenschaftlichen Grundlagen und pädagogischen Anforderungen entsprechen müssen.

Fazit: Die Methode verrät die wahre Haltung!

 

Ein qualitätsbewusstes Bildungsangebot erkennt man an der angemessen äußeren Gestaltung, der klaren inhaltlichen Darstellung mit entsprechenden Hinweisen auf die genutzten Grundlagen- und Hintergrundtheorien sowie des Einsatzes von der Erwachsenenbildung gerechten pädagogischen Vermittlungsmethoden und -techniken.

 

Autor: Manfred Hofferer

Jahrgang 1962, studierte u.a. Bildungs- und Erziehungswissenschaften an der Universität Wien und ist der wissenschaftlich-pädagogische Leiter der Bildungspartner Österreich. In der Vergangenheit engagierte er sich für zahlreiche pädagogische und therapeutische Projekte und Ausbildungen im Sektor Kinder-, Jugend- und Erwachsenenbildung. Nun widmet er sich schwerpunktmäßig pädagogischen Themen vom Ausbildungsabschluss über den Berufseinstieg bis hin zum Arbeitsalltag.

 

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