(Aus-) Bildung

(Aus-) Bildung

Wo ist der Unterschied?

Auch wenn es so anmuten mag, Bildung und Ausbildung ist nicht dasselbe. Die beiden Begriffe klingen zwar sehr ähnlich und haben mit Lernen und damit zu tun, wie man sich Wissen aneignet und wie man mit diesem Wissen umgeht. Dennoch gibt es einen wichtigen Unterschied: Wer sich bildet, kann sich mit allen möglichen Dingen befassen und ganz egal wie „gebildet“ jemand ist, es wird zu jeder Zeit Inhalte, Sachverhalte oder Dinge geben, mit denen sich diese Person weiterhin befassen kann, dessen Gesetzmäßigkeiten, Zusammenhänge oder Techniken erlernt, begriffen oder weiterentwickelt werden können.

 

Bildung vollzieht sich überall, ständig und zu jeder Zeit!

Ganz besonders konzentriere Bildungsmöglichkeiten bieten zwar Schulungen und Seminare aber vor allem die durch eigenes Interesse angetriebene Beschäftigung mit Themen ist ein wichtiger Bildungsmotor. Bildung erwirbt man auch im Gespräch mit Kollegen/innen, Freunden, Partnern/innen, Kunden/innen, beim Meeting, im Verkaufsgespräch oder bei der Planungssitzung für das kommende Quartal. Nicht zu vergessen und zu unterschätzen sind die Medien. Über Internet, Fernsehen, Zeitung, Radio oder die klassischen Bücher, werden Bildungsinhalte und Bildung generiert.

 

Bildung ist mehr als bloßes Wissen!

Ein ganz wichtiger Bestandteil der Bildung ist es zum Beispiel, dass tatsächlich - über das bloße Wissen hinaus - verantwortungsbewusst mit Mitmenschen, mit Umwelt, aber auch mit sich selbst umgegangen wird. Dass man in der Lage ist, die eigene Meinung zu vertreten und gleichzeitig die Sichtweisen anderer tolerieren und anerkennen kann. Zu guter Bildung gehört auch der Umgang mit Gegensätzen, Widersprüchen oder verschiedenen Meinungen und dass die Person in der Lage ist kompromiss- oder konsensorientiert mit den Problemstellungen umzugehen. Bildung bedeutet aber immer auch, nicht bloß auf der Ebene der Kenntnisnahme stehen zu bleiben und (scheinbar) Faktisches hinzunehmen, sondern dieses „scheinbar Gegebene“ kritisch in Frage zu stellen und genau zu überprüfen ob es richtig, nutz- oder sinnvoll ist. Gebildet ist, wer diesen Zu- und Umgang in der gleichen Weise auch für den Bereich der eigenen Ansichten, Meinungen, Urteile oder Verstehensweisen kultiviert hat.

 

Ausbildung ist (derzeit) etwas anders!

In einer Ausbildung erlernt man - im Unterschied zu Bildungsprozessen - entlang von präzise aufgeschlüsselten und festgelegten Fertigkeits- und Kompetenzrastern ein ganz bestimmtes Wissen und (in manchen Fällen) Können, das für einen ganz bestimmten Zu- oder Umgangsbereich als Voraussetzung wichtig und notwendig ist. Wer also mit Leichtigkeit einen Buchhaltungssatz, eine mathematische Ableitung oder eine chemische Formel konstruieren kann, ist zwar gut ausgebildet, aber noch nicht gleichzeitig oder zwingend gebildet! Ebenso ist das bei jemandem, der die theoretischen Grundsätze der Pflege beherrscht, einmal eine Vorlesung zum Thema Tiefenpsychologie besucht oder eine Hausarbeit zum Thema ADHS verfasst hat, über den Ablauf in einem Verkaufsgespräch beschied weiß, die watzlawickschen Axiome zitieren kann oder Kenntnisse um die theoretischen Grundlagen der Didaktik hat.

 

An dieser Stelle soll explizit betont werden, dass Wissen an sich unglaublich wichtig und wertvoll ist, aber als solches nicht überbewertet werden darf. Im Grunde wird das Wissen erst dann wirksam und ein bedeutungsvolles Instrument, wenn es konsequent mit Bildung verbunden und verschränkt ist. Ein Wissen ohne Verantwortung, klarer Vernunft, einem ausgewogenen Maß an Zurückhaltung und Bescheidenheit und vor allem dem beständigen Bestreben sowie den Mut zum selbstständigen Denken, bleibt leer. Rainer Maria Rilke [1] äußert sich in einem Widmungsgedicht an Marga Wertheimer in folgender Weise: „Was unser Geist der Wirrnis abgewinnt, kommt irgendwann Lebendigem zugute; wenn es auch manchmal nur Gedanken sind, sie lösen sich in jenem großen Blute, das weiterrinnt … Und ist´s Gefühl: wer weiß, wie weit es reicht und was es in dem reinen Raum ergibt, in dem ein kleines Mehr von schwer und leicht Welten bewegt und einen Stern verschiebt.“

 

[1] Rilke RM: Für Fräulein Marga Wertheimer. Die Gedichte 1922-1926. Sämtliche Werke. Frankfurt am Main, Insel Verlag, 1996, vol 2, 385

 

Autor: Manfred Hofferer

Jahrgang 1962, studierte u.a. Bildungs- und Erziehungswissenschaften an der Universität Wien und ist der wissenschaftlich-pädagogische Leiter der Bildungspartner Österreich. In der Vergangenheit engagierte er sich für pädagogische und therapeutische Projekte und Ausbildungen im Sektor Kinder-, Jugend- und Erwachsenenbildung. Nun widmet er sich schwerpunktmäßig pädagogischen Themen vom Ausbildungsabschluss über den Berufseinstieg bis hin zum Arbeitsalltag.

 

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