Gibt es das?

Formale Kriterien für Skripten

Was ist eigentlich ein Skriptum?

Immer wieder beschweren sich Teilnehmende bei uns über die Qualität der „Skripten“, die Sie in vorangegangenen Bildungsveranstaltungen erhalten haben. Eine gute Gelegenheit einmal darüber schriftlich nachzudenken. Da zu diesem Thema auch das „World Wide Web“ keine echten Ergebnisse liefert, heute aus bildungswissenschaftlicher Sicht eine kurze Themenbetrachtung.

 

Vorweg eine Klarstellung: Powerpointfolien (in welcher Form auch immer dargereicht), wild zusammenkopierte Textsammlungen (diese kommen in der Erwachsenenbildung Zuhauf vor), Handouts oder Thesenpapiere u.ä. sind - auch wenn das gerne behauptet wird - keine Skripten! (da unter vielen anderen Aspekten vom Umfang her zu gering; diese können aber durchaus in ein Skriptum einfließen).

 

Was ist ein Skriptum?

Als Skriptum wird im Grunde eine „Druckschrift“ (heute sind das in der Regel PDF-Dateien) bezeichnet, (z.B. an Universitäten, Hochschulen [ganz genau genommen ist ein Skriptum hier die schriftliche Ausarbeitung bzw. Nachschrift einer Hochschulvorlesung] oder anderen Bildungs- und Lehrstätten), die als Begleitmaterial zu einer Lehrveranstaltung herausgegeben wird. Ein derartiges Skriptum wird in der Regel von dem/der Dozenten/in der Lehrveranstaltung verfasst und ist vom Stil und Aufbau her wie ein Lehr- oder Arbeitsbuch gestaltet. Der Unterschied zu diesen Büchern besteht im wesentlichen darin, dass Skripten

  • inhaltlich in der Regel (so es sich nicht um Spezialgebiete handelt) wesentlich kürzer und prägnanter gefasst sind, als das bei Lehr- und Arbeitsbüchern der Fall ist, es wird auf
  • wenige spezielle - das jeweilige Seminarthema betreffende - Aspekte eingegangen und
  • erreichen nicht die Untergliederungstiefe, wie das bei Lehr- und Arbeitsbüchern der Fall ist.

 

Was sind die wichtigsten Kriterien?

Über die Kürze, inhaltliche Reduktion, den Fokus auf einen Ausschnitt und die geringe Gliederungstiefe hinaus werden auch an Skripten formale Ansprüche gestellt - im Grunde genauso, wie das bei Lehr- und Arbeitsbüchern der Fall ist. Nachfolgend in einer Übersicht die wichtigsten formalen Kriterien: Ein aus bildungswissenschaftlicher Sicht gutes Skriptum

  • verfügt über eine allgemein lesefreundliche Formatierung und Schriftart (hier gibt es genügend Infos im „WWW“)
  • gibt einen Hinweis auf den/die Autor/in, Herausgeber/in sowie die Version (ist es ein Erstskript oder schon öfter überarbeitet?)
  • verfügt über ein vollständiges Inhaltsverzeichnis
  • weist eine klare Gliederung des bearbeiteten Stoffes auf (zumindest mit Einleitung bzw. einem einführenden Teil, einem Hauptteil, in dem die Themenstellungen bearbeitet sind, sowie einer Zusammenfassung.)
  • bezieht sich auf wissenschaftlich gesichertes und für die Leser/innen nachvollziehbares Quellenmaterial (hinsichtlich Theorie und Praxis)
  • ist zielgruppenspezifisch formuliert und leicht verständlich abgefasst. Jedwede Abschweifung vom Thema, Wiederholung und eine besonders komplizierte Ausdrucksweise sind zu vermeiden. Als Grundregel gilt: Einfache Sachverhalte sind einfach darzustellen und schwierige Sachverhalte sind möglichst einfach zu beschreiben.
  • verwendet Visualisierungen, Grafiken, Tabellen und Beispiele zum besseren Verständnis des Inhalts
  • weist (bei längeren Skripten) Zwischenzusammenfassungen auf
  • gibt themenrelevante Übungshinweise und/oder -anregungen
  • arbeitet mit korrekter Quellenangabe und Zitation (auch bei Verwendung von Bildmaterialien)
  • hat ein Literaturverzeichnis (dieses kann um Lesehinweise ergänzt sein)
  • ist so abgefasst sein, dass es für das Seminarthema als (a) lesbare Grundlage sowie (2) auch im Zusammenwirken mit anderer Studienliteratur als sinnvolle Ergänzung verwendet werden kann. Zudem wird in einem Skriptum nur (3) themenrelevanter Stoff verarbeitet; weiterführende oder vertiefende Exkurse sind nicht notwendig.

So, das wäre es dann im Grund auch schon von der formalen Seite. Zwölf Punkte, die kein großartiges Spezialwissen benötigen und in Wahrheit ganz einfach umzusetzen sind. Inhaltlich (das Schreiben selbst betreffend) ist das dann noch einmal eine ganz andere Sache! In diesem Sinne, gute Skriptgestaltung, ganz egal welches Bildungsangebot Sie auch immer gerade vorbereiten.

 

Hinweis: Skripten sind in wissenschaftlichen Arbeiten nicht zitierfähig, unter anderem deshalb, da sie nicht in wissenschaftlichen Bibliotheken gesammelt werden!

 

In unseren Lehrgängen z.B. "Train the Trainer", "Outdoorpädagogik" oder "impuls.seminar" usw. verfügen wir über entsprechendes Skriptmaterial.

 

Autor: Manfred Hofferer

Jahrgang 1962, studierte u.a. Bildungs- und Erziehungswissenschaften an der Universität Wien und ist der wissenschaftlich-pädagogische Leiter der Bildungspartner Österreich. In der Vergangenheit engagierte er sich für pädagogische und therapeutische Projekte und Ausbildungen im Sektor Kinder-, Jugend- und Erwachsenenbildung. Nun widmet er sich schwerpunktmäßig pädagogischen Themen vom Ausbildungsabschluss über den Berufseinstieg bis hin zum Arbeitsalltag.

 

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