Wo sind sie bloß?

Lehrlinge: Wo sind sie?

Sag mir, wo die Lehrlinge sind, wo sind sie geblieben?

Letztens hatte ich bei einer Lehrlings-Informationsveranstaltung die Gelegenheit, mich mit einigen Ausbilder/innen über die aktuelle Situation am Lehrlingsmarkt zu unterhalten. Der einheitliche Tenor lautete „Wir bekommen keine Lehrlinge mehr“.

 

Als häufige Ursachen für den massiven Rückgang an Lehrlingen gelten vor allem die „Konkurrenz“ der weiterführenden Schulen, das allgemein schlechte Image der Lehre sowie die geburtenschwachen Jahrgänge. Dabei beneiden uns viele Staaten um genau diese Art der Ausbildung, hat sie doch in Österreich die EU-weit zweitniedrigste Jugendarbeitslosigkeit zur Folge. Doch weder dies noch Fakten wie ein erhöhter Pensionsanspruch sind für einen durchschnittlichen Jugendlichen ein Grund, um ins Schwärmen für die Lehre zu geraten.

 

Doch was tun, um die negativen Konsequenzen all der genannten Tatsachen möglichst klein zu halten?

 

Dazu gibt es grundsätzlich drei Handlungsvarianten:

  • Sich totstellen: Die richtige Strategie für Lehrbetriebe, für die die Wurzel allen Übels allein im bestehenden System liegt. Ändert sich nichts an Ihrer Unternehmensumwelt (die Sie nur schwer aktiv beeinflussen können), wird Ihre Situation nicht besser, weil Ihnen die Hände gebunden sind.
  • Flucht: Sie entscheiden sich dafür, in Zukunft keine Lehrlinge mehr auszubilden.
  • Angriff: Sie sind davon überzeugt, dass die hausinterne Lehrlingsausbildung eine nachhaltige Investition für Ihren Unternehmenserfolg ist und sind bereit, zeit- und zielgerecht auszubilden, u.a. durch folgende Schritte:
  • Sie repräsentieren Ihr Unternehmen bei jeder sich bietenden Gelegenheit als Lehrbetrieb, gehen auf Messen und in Schulen, um mit Ihren zukünftigen Lehrlingen und/oder Lehrpersonen direkt in den Dialog zu treten.
  • Sie legen großen Wert darauf, als Ausbildungsbetrieb auch bei den Eltern Ihrer potenziellen Lehrlinge zu punkten, bspw. indem Sie Betriebsbesichtigungen anbieten und aktiv das Gespräch suchen.
  • In Ihrem Betrieb ist es mit einem Lehrabschluss möglich, die Karriereleiter bis nach ganz oben zu klettern.
  • Sie erfüllen alle Ausbildungskriterien des Berufsbilds, indem Sie die Ausbildung gewissenhaft planen und die Fortschritte Ihrer Lehrlinge regelmäßig überprüfen.
  • Sie wissen, dass Lehre besonders dann Früchte trägt, wenn Ihre Ausbilder/innen entsprechend geschult sind und über die nötigen zeitlichen Ressourcen für die Arbeit mit Ihren Lehrlingen verfügen.
  • Sie bieten Ihren Mitarbeiter/innen in der Lehre und darüber hinaus attraktive Aus-, Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten, nicht nur im Rahmen Ihrer Fach-, sondern auch im Bereich der Persönlichkeitsbildung.

Wenn Sie sich für die Handlungsvariante „Angriff“ entscheiden, dann lassen Sie uns miteinander über Ihre Vorstellungen, Bedürfnisse und Wünsche rund um das Thema „Aus-, Fort- und Weiterbildung“ in Ihrem Betrieb sprechen. Ich freue mich über Ihre Kontaktaufnahme.

 

Autorin: Petra Jäger

Jahrgang 1978, studierte Internationale Wirtschaftswissenschaften an der Universität Innsbruck und ist als Mitglied der Bildungspartner Österreich für den Westen Österreichs zuständig. Durch ihre mehrjährige Berufserfahrung in einem der größten Industrieunternehmen Österreichs konnte sie wertvolle Erfahrungen im Bereich der Aus-, Fort- und Weiterbildung vom Lehrling bis ins Management sammeln und ist heute als Trainerin tätig. Ihre Schwerpunkte sind Lehrlings- und Ausbildertrainings sowie Outdoortrainings bis ins mittlere Management.

 

Eines meiner aktuellen Ausbildungsangebote als Bildungspartnerin ist der Train the Trainer Lehrgang für Ausbilder/innen im Herbst 2015 in Innsbruck. Ich freue mich über Ihre Anfragen.

 

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