Nur kurz - Danke!

Bildungspartner Österreich

Tablet und iPhone im Seminarbetrieb

Smartphone und Tablet spielen im Leben vieler Seminarteilnehmenden eine ganz besonders wichtige Rolle. Die einen schaffen es gerade noch den Gebrauch auf die Pausenzeiten zu beschränken und aber viele können gar nicht mehr anders und müssen ständig mit und an den Dingern herumspielen.

 

Normalerweise sollte man bei erwachsenen Menschen davon ausgehen können, wenn ein Seminarblock startet, dass die mobilen Kommunikationsmittel aus- oder lautlos geschaltet und weggesteckt werden. Diese einfache Geste würde von Höflichkeit zeugen sowie zeigen, dass man den/die Vortragende/n zur Kenntnis nimmt und sich auf die kommenden Inhalte und Interaktionen konzentriert. Immer häufiger ist es jedoch der Fall, dass zunehmend mehr Teilnehmende am Tisch sitzen und wie gebannt auf ihre Smartphones und Tabletts glotzen. Jene die sie zwar weggesteckt aber auf Vibration gestellt haben, erkennt man - ob der zu erwartenden nächsten Nachricht - ganz leicht an einer erwartungsvoll-angespannten Körperhaltung sowie einem ständig aber diskret suchenden Blick.

 

Eine weitere Anwendungsfunktion spielt mittlerweile eine immer wichtigere Rolle: Es wird Alles und Jedes abgelichtet und schwupsdiwups in den sozialen Foren verbreitet. Erst vor kurzem wurde ich unmittelbar nach einer Seminareinheit von einer Kollegin die im selben Hotel ein Seminar gehalten hat, darauf aufmerksam gemacht, dass sie es witzig findet, dass wir gerade eben über das selbe Thema gesprochen haben. Sie hat vor 10 Minuten einen Beitrag im Facebook darüber gelesen. Es kommt auch immer wieder vor, dass ich gefragt werde - neben den Teilnehmenden die es einfach ohne tun -, ob meine Vortragsunterlagen fotografiert werden dürfen oder mein Vortrag aufgezeichnet werden kann.

 

Umrahmt wird dieses Treiben durch eine allgemeine Ängstlichkeit vor Stromlosigkeit bzw. einer möglichen Steckdosennot an denen die Geräte ihren Lebenssaft saugen können. Die besonders ausgefuchsten haben selbstverständlich immer mehrere Zusatz- bzw. Ersatzpowerakkus dabei um das Problem der zu handeln. Die wahren Dramen ereignen sich dann, wenn einmal ein Aufladekabel vergessen und kein Ersatz zur Verfügung steht. Besonders schwierig für Seminarleitende wird es, wenn sich affin-Gleichgesinnte treffen und den ausgeprägten Hang zur mobilen Kommunikation und damit verbundenen technischen Fragen am jeweils anderen entdecken. Da kann schon einmal ein ganzes Wochenende mit feinst ziseliertem Austausch vergehen ohne auch nur im Ansatz das eigentliche Seminarthema zu erfassen.

 

Entschließt man sich das Thema „mobile Kommunikation“ zum Seminarstart anzusprechen und gemeinsam Regeln auszuhandeln, dann - und das ist eine Tatsache - vervielfachen sich die „Klogänge“, die in Wahrheit „ich muss jetzt wieder mein mobiles Kommunikationssystem pflegen-Gänge“ sind. Nicht zu vergessen, dass auch ein guter Teil der Pausenzeiten für die intensive Beschäftigung mit den mobilen Kommunikationsmitteln verbraucht wird. Schließlich muss der/die Freud/in wissen, was gerade in den vergangenen zehn Minuten vorgefallen ist.

 

Die Beobachtungen der jüngsten Vergangenheit lassen mich mittlerweile ganz sicher folgende Unterscheidung treffen: Da gibt des den Typus ...

  • der ertappt und entschuldigend in die Runde blickt und mit den Worten „Nur ganz kurz“ auf annehmen drückt.
  • der den Blickkontakt mit anderen aktiv sucht um darauf aufmerksam zu machen dass er gerade eine Nachricht bekommen hat.
  • der zwar sagt, dass ihm das jetzt wirklich peinlich ist, die Nachricht aber dennoch ohne Unterbrechung beantwortet.
  • der wie selbstverständlich ohne mit der Wimper zu zucken zum Handy greift, das Gespräch annimmt und auch lautstark führt: „Du, ich bin jetzt gerade in einem Seminar...“
  • der sofort die Sitznachbarn und die nähre Umgebung in die Nachrichtenbeantwortung miteinbezieht.
  • der demonstrativ die ganze Gruppe informiert: „Hallo, alle einmal herhören, das ist eine ganz wichtige Nachricht!“
  • der fluchtartig den Raum verlässt und zumindest die nächsten 20 Minuten unauffindbar ist.
  • der still in sich versunken mit dem Finger am Bildschirm wischend in die Weiten des WWW abgetaucht und versunken ist.
  • der sich über das Verhalten im Umgang mit mobilen Kommunikationsmitteln anderer beschwert solange er selbst keine Nachricht oder Anruf bekommen hat.
  • der auffallend heimlich die mobile Kommunikation mit beiden Händen unter dem Tisch erledigt.
  • der bei jedem elektronisch-ähnlichem Geräusch zusammenzuckt und auf seinem Gerät nachschauen muss.
  • der demonstrativ sein Gerät jedes mal erst umständlich aus der Tasche aus- und dann wieder einpacken muss.
  • der zwei oder mehr Geräte besitzt und ständig mit synchronisieren beschäftigt ist.

Na ja! Warum sollte es im Seminarbetrieb anders sein als bei einem Essen mit Freunden?!


Fazit: Was für ein Glück! Viel besser noch als in ungewollter Gesellschaft mit pizzaessenden und bierdosentrinken Handyfonierern/innen in öffentlichen Verkehrsmitteln ;-) Hinweis: Bei einem schwedischen Möbelhaus kann man sich Einrichtungsgegenstände mit integrierter Ladestation und sogar schon Platzdecken mit integrierter Smartphonetasche kaufen.

 

Autor: Manfred Hofferer

Jahrgang 1962, studierte u.a. Bildungs- und Erziehungswissenschaften an der Universität Wien und ist der wissenschaftlich-pädagogische Leiter der Bildungspartner Österreich. In der Vergangenheit engagierte er sich für pädagogische und therapeutische Projekte und Ausbildungen im Sektor Kinder-, Jugend- und Erwachsenenbildung. Nun widmet er sich schwerpunktmäßig pädagogischen Themen vom Ausbildungsabschluss über den Berufseinstieg bis hin zum Arbeitsalltag.

 

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