Lernen - Ein Problem?

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Ich muss, kann aber nicht!

Wer kennt diese Situation nicht? Ein Riesenberg Arbeit auf dem Schreibtisch, weder Lust geschweige denn Motivation und der Prüfungstermin liegt in absehbarer Nähe! Schon ist sie weg die Motivation und der innere Schweinehund schreit laut: Du willst nicht! Du kannst nicht, nicht jetzt! Mach etwas anderes, das ist so ganz und gar nichts für dich!

 

Was kann man in so einer Situation tun und wie damit umgehen? Hier die wichtigsten sechs Aspekte:

  • Aspekt 1 - MOTIVATION HERSTELLEN
    Die Motivation steigt, wenn man sich vergegenwärtigt, welchen Anteil diese Aufgabe für das Ziel hat. Gleichzeitig ist es motivierend, wenn man weiß, dass von dem Berg der zu erledigenden Arbeiten wieder etwas abgetragen wurde. Die Motivation steigt zudem, wenn man am richtigen Ort lernt, gerade sitzt, ruhig atmet und den Stoff in kleine Teile zerlegt hat.

  • Aspekt 2 - AUFGERÄUMTER ARBEITSPLATZ
    Wer seinem Gehirn etwas Gutes tun und leichter lernen möchte, sucht sich einen ruhigen und ablenkungsfreien Ort. Dazu kommt - ob man möchte oder nicht – nur ein aufgeräumter Lernplatz ist – wie sonst im Leben auch - ein guter Lern- und Arbeitsplatz ist. Oft unterschätzt: handschriftliche Aufzeichnungen. Mitschreiben ist ganz wichtig. Das Gehirn behält sich wesentlich mehr, wenn man sich handschriftliche Notizen macht – der Körper lernt eben mit.

  • Aspekt 3 - PLANEN und VORBEREITEN
    Besonders hilfreich und effektiv ist es, sich kleine Lerneinheiten vorzunehmen. Neueste Untersuchungen zeigen, dass es von Vorteil ist, wenn man in Viertelstundenabschnitten sehr konzentriert arbeitet und dann wieder eine kleine Pause von 3 bis 4 Minuten einlegt.

  • Aspekt 4 - PAUSEN
    Was macht man in diesen kurzen Pausen? Blick aus dem Fenster, Dehnungsübungen, ein bisschen Bewegung, ein Getränk. In jedem Fall sollte man auf aufregende und neue Inhalte verzichten. Studien weisen eindeutig darauf hin, dass soeben Gelerntes nicht gespeichert wird, wenn das Gehirn gleichzeitig aufregenden und/oder neuen „Stoff“ erhält. Die Folge: Man startet immer wieder am Anfang und das frustriert und demotiviert!

  • Aspekt 5 - KONZENTRATION
    Viele Menschen glauben immer noch, dass sie multitaskingfähig sind. Handy, SMS, Facebook, Telefon, WhatsApp, Musik im Hintergrund und vieles mehr unterbricht immer wieder die Konzentration. In Wahrheit geht es nicht gleichzeitig! Es kommt uns manchmal zwar so vor - ist aber nicht möglich. „Nacheinander“ ist das Zauberwort! Durch Ablenkung immer wieder aus dem Fluss des Lernens aus- und immer wieder neu einsteigen zu müssen, das führt zu Problemen und erschwert das lernen enorm! Lernen braucht Konzentration und das geht nur ohne Multitasking!
    Gar nicht so wenige Menschen belohnen sich während des Lernens mit Süßigkeiten. Dazu sollte Folgendes bedacht werden: steigt der Blutzuckerspiegel, ist der Mensch zwar für kurze Zeit sehr leistungsfähig, aber anschließend für sehr viel längere Zeit enorm leistungsschwach. D.h., er müsste wieder Zucker zuführen: Das ist ein echter Teufelskreis und nicht erfolgreich!

  • Aspekt 6 - Der Tag der Bewährung: DIE PRÜFUNG!
    Genau dann, wenn man es braucht, fällt einem Nichts, aber auch gar nichts mehr ein: Blackout! Auch wenn intensiv gelernt wurde, geraten dennoch viele Menschen mehr oder weniger in Stress und Panik. Das größte Problem dabei ist die sogenannte Stressatmung. Unter Stress neigt der Mensch zu flacher Atmung. Damit verstärkt sich das Gefühl der Kurzatmigkeit und der Atem wird schneller. Die Folge ist, dass sich die Atemmuskulatur verspannt, die Herzfrequenz steigt und die Stresssymptome sich verstärken. In diesem Zustand kann das Gehirn nicht mehr klar und frei arbeiten. Ein weiteres Problem ist eine falsche Körperhaltung: Bei Stresszuständen werden die Schultern hochgezogen und dadurch kann für die Atmung nur der obere Lungenbereich genutzt werden. Verstärkt wird das Problem durch eine gekrümmte Sitzhaltung am Schreibtisch. Vorteilhaft ist jedoch eine Atmung, die dem Gehirn signalisiert: „Es ist alles in Ordnung und gar nicht so schlimm“. Erst dann kann auch gut gearbeitet werden! Was kann dafür getan werden? Wichtig ist, dass ruhig und rhythmisch geatmet wird. Ein- und Ausatmen über die Nase, denn dadurch verlangsamt sich die Atmung und das Blut kann mehr Sauerstoff aufnehmen. Besonderes Augenmerk liegt auf dem Ausatmen; das sollte etwas länger sein, dann eine kurze Atempause einlegen.
    Ein weiteres Problem sind die sogenannten selbsterfüllenden Prophezeiungen. D.h., dass die Betroffenen zu sich selbst sagen: Ich schaffe das nicht! Damit steigt die Wahrscheinlichkeit des Versagens enorm! Was kann dagegen getan werden? Es funktioniert auch in der Umkehr: Positiv denken! Dabei fokussiert man auf den Erfolg und nicht auf den Misserfolg. Und, Beruhigungs- und Aufputschmittel sind ein absolutes No-Go!

D.h., für einen guten Lernerfolg ist neben einer guten Vorbereitung, einer klare Lernorganisation und Motivation eine positive Befindlichkeit wichtig. Vor diesem Hintergrund kann man sich mit Freude auf den "Stoff" einlassen und vertiefen, das rundherum vergessen und entsprechend intensiv lernen. Diesen Zustand nennt man „Lernflow“. Kein Floh, sondern ein Flow, der ist das A und O für effektives Lernen. Man vergisst die Zeit und ist so intensiv mit dem Lernen beschäftigt, dass im Gehirn eine optimale Umsetzung gelingt.

 

Fazit: Alles, was ablenkt, um in den Lernflow zu kommen, muss weg! Wer das kapiert hat große Chancen auf einen guten Lernerfolg!

 

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Autor: Manfred Hofferer

Jahrgang 1962, studierte u.a. Bildungs- und Erziehungswissenschaften an der Universität Wien und ist der wissenschaftlich-pädagogische Leiter der Bildungspartner Österreich. In der Vergangenheit engagierte er sich für pädagogische und therapeutische Projekte und Ausbildungen im Sektor Kinder-, Jugend- und Erwachsenenbildung. Nun widmet er sich schwerpunktmäßig pädagogischen Themen vom Ausbildungsabschluss über den Berufseinstieg bis hin zum Arbeitsalltag.

 

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