... eh wie immer!

Dem Trott der Gewohnheiten entgehen

Und täglich grüßt das Murmeltier

In unzählbar vielen Situationen des alltäglichen Leben reagiert der Mensch aus der Routine heraus, spontan und ohne darüber nachzudenken. So schüttelt man sich z.B. zur Begrüßung die Hand, lächelt dabei, sagt, dass man sich freut die Person zu treffen und stellt die eine oder andere unverfängliche Frage, damit so etwas wie ein erster Smalltalk starten kann. Und auch eher selten wird man – bei derartigen Begebenheiten - irritiert, ist verwundert oder erstaunt, wenn das gewohnheitsmäßig erwartete Verhalten des Gegenübers sich nicht einstellt. Es ist halt Routine und läuft immer wieder so oder so ähnlich.

 

Dabei handelt es sich um größtenteils unbewusst ablaufende Prozesse, die im Laufe des Lebens in unzählbar vielen Wiederholungen eingeübt und verinnerlicht wurden. Gewohnheiten sind also keine Zufallsprodukte. Derartige, immer wiederkehrende, Verhaltensmuster sind für die Bewältigung des alltäglichen Lebens wichtig. Sie erzeugen Stabilität und ermöglichen es dem Menschen ohne Aufwand, Zeitverlust, große Aufmerksamkeit und ohne nachdenken zu müssen, spontan Situationen zu bewältigen. Sie bilden quasi ein „Gerüst“, an dem sich der Mensch durch den Tag hangelt. Das ist die gute Seite. Die Kehrseite der Gewohnheiten ist, dass sie - fast unbemerkt - die Wahrnehmung, das Denken und das Problem- und Situationsbewältigungsverhalten mitunter einschränken. Sie sind die Ursache für Inflexibilität und machen den Menschen starr.

 

Das ist dann der Fall, wenn es sich nicht bloß um eine Begrüßung, Verabschiedung oder das routinierte Verhalten in der Straßenbahn oder in einer ruhigen Gesprächssituation o.ä. handelt, sondern es um z.B. das impulsive Verhalten in Konfliktsituationen geht. Da ist dann ein auslösender Reiz und ganz ohne irgendein weiteres Zutun; wie von selbst, ist das Verhalten da und - als wäre man in dieser Gewohnheit gefangen - ergibt das eine das andere und man kommt so richtig in Fahrt. Dabei kann man sich selbst förmlich von außen zuschauen und gleichzeitig über sich selbst wundern. Ist das Verhaltensprogramm einmal gestartet, dann kann es nicht mehr so einfach gestoppt werden.

 

Was, wenn diese verändert werden wollen/sollen? Geht das und was kann man dazu tun? Es ist tatsächlich nicht ganz so einfach, bestehende Gewohnheiten zu verändern. In jedem Fall muss man eine gehörige Portion Aufmerksamkeit, Willen und Kraft aufbringen, um aus derart „reaktiv ablaufenden“ Handlungs- oder Verhaltensmustern aussteigen zu können und sie zu verändern. In der Praxis haben sich folgende sechs Schritte (ähnlich wie in der kognitiven Verhaltenstherapie) als besonders hilfreich erweisen:

  • den ersten Handlungsimpuls bewusst wahrnehmen, ihn zu
  • unterbrechen und ein „Stopp“ einlegen
  • kurz innehalten
  • überlegen, welche Alternativen kenne/habe ich, um auf den auslösenden Reiz/Impuls zu antworten
  • eine bewusste Auswahl der Möglichkeit treffen und
  • diese alternative Handlung bewusst und gezielt ausführen

Klingt einfach, ist es aber nicht. Die über Jahre kultivierten, täglich gehegt und gepflegten Gewohnheiten fordern - innerlich laut und mit aller Macht - ihren gewohnten Platz. Sie lassen sich nicht so einfach übergehen oder nebenbei aus dem Weg räumen. Das Problem ist, dass jene Areale, die für komplexe Denkprozesse und Entscheidungen zuständig sind, in den Gewohnheitshandlungen nicht mehr aktiv sind. Das Einlernen neuer Verhaltensweisen erfordert Bewusstsein, Aufmerksamkeit und vor allem Konzentration. Das bedeutet aber - für den/die, die Veränderung will - dass wieder und immer wieder „Anlauf“ genommen, und die oben angeführten Schritte systematisch abgearbeitet werden müssen. Dabei helfen vor allem die „Gegenspieler der Gewohnheiten“ und Routinen. Diese Gegenpole sind eine gut ausbalancierte Mischung aus "Neugierde, Spontaneität und Achtsamkeit“.

 

Fazit: Veränderung ist kein einfaches Unterfangen und braucht nicht nur den Willen und fest steht auch, dass es etwas einfacher ist, neue Gewohnheiten zu etablieren.

 

Autor: Manfred Hofferer

Jahrgang 1962, studierte u.a. Bildungs- und Erziehungswissenschaften an der Universität Wien und ist der wissenschaftlich-pädagogische Leiter der Bildungspartner Österreich. In der Vergangenheit engagierte er sich für pädagogische und therapeutische Projekte und Ausbildungen im Sektor Kinder-, Jugend- und Erwachsenenbildung. Nun widmet er sich schwerpunktmäßig pädagogischen Themen vom Ausbildungsabschluss über den Berufseinstieg bis hin zum Arbeitsalltag.

 

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Theorieminiatur zum Thema:

Gewohnheiten ändern

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