:-) Wissen?!

Wissensmanagement - Dem Wissen auf der Spur!

Wie ist das mit dem Wissen eigentlich?

Wissensvermittlung und das Management drumherum ist so eine Sache. Um eines meiner Probleme mit dem Thema zu veranschaulichen ein Gedankenspiel:

 

Ich könnte Sie als Seminarleiter darüber informieren, dass es ein äußerst schmerzhafter Zustand ist, wenn man sich mit einem Hammer auf den Daumen schlägt. Und dazu kann ich eine ganze Reihe von ergänzenden und im Detail beschreibenden Informationen anhängen, um diesen Umstand bestmöglich und nachvollziehbar zu illustrieren. Als Ergebnis wissen Sie dann: Sich mit einem Hammer auf den Daumen schlagen ist ein schmerzhafter Zustand und Sie kennen die von mir zusätzlich dazu erläuterten Informationen. So Ihr Spiegelneuronensystem nicht ganz desolat ist, werden Sie nach diesem Vortrag auch so etwas wie ein auf Ihren Vorerfahrungen aufbauendes inneres sinnlich nachvollziehbares Bild davon haben, wie sich das anfühlen könnte.

 

Verstehen bzw. praktisch relevantes Wissen werden sie dazu jedoch nur dann entwickeln, wenn Sie dazu auch eine konkrete Erfahrung verknüpfen können, indem Sie einen derartigen Vorgang und die damit verbundenen Auswirkungen und Reaktionen, z.B. direkt beobachtet oder im ungünstigsten Fall selbst erlebt haben!

 

Und auch dieses Wissen birgt ein Problem. Zwar wissen Sie jetzt für sich, was es bedeutet, sich mit einem Hammer auf den Daumen zu schlagen, aber Sie können nicht gleichzeitig auch davon ausgehen, dass das bei anderen genau die gleichen Empfindungen, Reaktionen und Handlungen hervorrufen oder auslösen.

 

Was ist gefordert? Sie müssen Ihr Wissen um zusätzliche Möglichkeiten und Parameter erweitern (Größe des Hammers, Stärke des Schlags, mit welcher Seite des Hammerkopfes wurde getroffen, Punkt des Auftreffens des Hammers am Daumen, Sensibilität und Leitfähigkeit des Nervensystems der betroffenen Person u.v.m.) um von sich behaupten zu können, sie verfügen über Wissen, zu dem Umstand, was passiert, wenn man sich mit einem Hammer auf den Daumen schlägt.

 

Wer glaubt, jetzt ist es aber soweit und man verfügt über das notwendige Wissen, irrt. Denn an dieser Stelle verbirgt sich ein weiteres Problem. Um eine halbwegs verlässliche und allgemeingültige Aussage zu diesem Umstand treffen zu können - also Experten/innenwissen zu diesem Thema zu haben - müssten Sie sich Zeit nehmen, sich in das Thema weiter vertiefen, Betroffene befragen, Selbstversuche machen, wissenschaftliche Literaturrecherchen vornehmen, Studien lesen oder selbst kulturunabhängige Experimente oder Feldforschungen durchführen und die Ergebnisse entsprechend evaluieren, in Fachzeitschriften publizieren und zur Diskussion stellen.

 

Für den Fall der Fälle, Sie hätten diesen Aufwand betrieben, sind richtig stolz auf sich, stehen Sie dennoch wieder ganz am Anfang. Wenn Sie jetzt – wie ich fiktiv Ihnen – anderen vermitteln möchten, was es bedeutet, wenn man sich mit dem Hammer auf den Daumen schlägt, stehen Sie vor demselben Problem wie ich zu Beginn der Geschichte! Wie wissen Sie - wenn Sie launig, dramatisch, sachlich-einprägsam, fachlich fundiert und gespickt mit vielen praktischen Beispielen darüber erzählen - dass Sie Ihre Zuhörer/innen nicht bloß informieren, ihnen lediglich den Vorgang beschreiben oder einfach nur den Sachverhalt zur Kenntnis bringen und im Grunde weit weg sind von dem, das Wissen bedeutet?

 

Ich frage mich oft, von welchem Wissen beim Thema Wissensmanagement gesprochen wird, wenn von Wissen gesprochen wird?! :-)

 

P.S.: Ersetzen Sie das Beispiel Hammer durch ein beliebiges für Sie relevantes Thema und Sie werden bemerken, dass Sie immer wieder zu demselben Ergebnis kommen :-) Was ist das Ergebnis?

 

 

Autor: Manfred Hofferer

Jahrgang 1962, studierte u.a. Bildungs- und Erziehungswissenschaften an der Universität Wien und ist der wissenschaftlich-pädagogische Leiter der Bildungspartner Österreich. In der Vergangenheit engagierte er sich für pädagogische und therapeutische Projekte und Ausbildungen im Sektor Kinder-, Jugend- und Erwachsenenbildung. Nun widmet er sich schwerpunktmäßig pädagogischen Themen vom Ausbildungsabschluss über den Berufseinstieg bis hin zum Arbeitsalltag.

 

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