Alt aber gut!

Donald ist nicht immer ein Verlierer: Walt-Disney-Methode

Alt aber gut

Um Ziele zu beleuchten, mögliche Stolpersteine zu erkennen und gezielt Maßnahmen zur Zielerreichung zu (er) finden eignet sich die unter dem landläufig bekannt gewordenen Namen „Walt-Disney-Methode“.

 

Der Ursprung dieser Kreativitätstechnik ist eine Verkürzung der „Six Thinking Hats“ von Edward de Bono [1] und geht auf Robert B. Dilts [2] zurück, der über den berühmten Filmproduzenten und Zeichentrick-Pionier Walt Disney schrieb: „…tatsächlich gab es drei Walts: den Träumer, den Realisten und den Miesepeter“.

 

Ganz einfach!

Die Vorgehensweise ist im Grunde ganz einfach. Dabei wird auf der Basis eines „Rollenspiels“, bei dem eine oder mehrere Personen ein Ziel, ein Problem oder eine Aufgabenstellung u.ä. aus drei Perspektiven heraus betrachtet und die Ergebnisse entsprechend diskutiert.

  • Die Träumenden (Ideenlieferanten/innen, Visionäre) enthalten sich jedes praktischen Urteils zum bearbeiteten Gegenstand und sind enthusiasmierte Träumer/innen die subjektiv orientiert hemmungslos allen aufkommenden Ideen nachgehen.
  • Im Unterschied dazu nehmen die Realisten/innen (bodenständige Macher/innen) einen bestmöglich pragmatisch-praktischen Standpunkt ein, und beleuchten den Gegenstand hinsichtlich der praktischen Umsetzbarkeit. Sie entwickeln Aktivitätenpläne, Arbeitsschritte und -abläufe, Umsetzungsstrategien und -mechanismen sowie um die notwendigen Grundlagen und Voraussetzungen.
  • Und schließlich sind da noch die Kritiker/innen, die den zu untersuchenden Gegenstand vor dem Hintergrund all möglicher Hindernisse und Fehlerquellen untersuchen und im Detail in Augenschein nehmen.

Hinweis: Dabei entsprechen die Rolle der Träumer/innen - im de Bono´schen Konzept - dem gelben und grünen Hut, die der Neutralen in etwa dem weißen und dem blauen Hut und die der Kritiker/innen am ehesten dem schwarzen Hut. Für die Rolle des Realisten gibt es keine farbliche Entsprechung. Als Kreativitäts-Methode funktioniert die Walt-Disney-Methode am besten mit vier statt drei Rollen: [1]

  • Träumer (Visionär, Ideenlieferant)
  • Realist (Realist, Macher)
  • Kritiker (Qualitäts-Manager, Fragesteller)
  • Neutraler (Beobachter, Berater)

Über den Einsatz dieser Methode beleuchten Sie Ihr Ziel oder ein bestimmtes Vorhaben aus drei Blickwinkeln:

  • Aus der Perspektive des/der Träumers/in: Er/Sie ist enthusiastisch, hat unendlich viele Ideen, träumt gleichermaßen mit offenen und geschlossenen Augen und lässt allen Wünschen freien Lauf. Die Träumer/innen orientieren sich nie daran, ob die Ideen praktisch umsetzbar oder gar realistisch sind. Die Träumer/innen sind die echten Ideenlieferanten/innen.
  • Aus der Perspektive des/der Kritikers/in: Die Ergebnisse von den Träumern/innen wandern zu den Kritiker/innen. Diese halten sich fern von jeder Träumerei und sehen alles besonders kritisch, suchen Problem-, Schwachpunkte, Fehler Umsetzungsprobleme usw. und hinterfragen alles konsequent.
  • Aus dem Blickwinkel des/der Realisten/in: In dieser dritten Rolle wird danach gefragt, wie man die Aussagen der Träumenden und Kritiker/innen auf einen bestmöglich gemeinsamen Nenner bringen kann. Die Realist/innen denken vorwiegend praktisch, stellen einen klaren Maßnahmenplan auf und wissen ganz genau, welche Voraussetzungen, Bedingungen und Ressourcen zu einer erfolgreichen Umsetzung notwendig sind.

 

Und wie funktioniert die Methode in der Praxis?

Nehmen Sie einmal an, Sie wollen ein neues Produkt entwickeln. Zur Untersuchung Ihrer Idee ziehen Sie die Walt-Disney-Methode heran. 

  • Unterteilen Sie Ihr Flipchart in drei Zeilen. Beschriften Sie diese drei Zeilen entsprechend der unterschiedlichen Betrachtungswinkel mit (1) „Träumer/in“, (2) „Realist/in“ und mit (3) „Kritiker/in“.
  • Und schon kann es losgehen. Bearbeiten Sie als Erstes in der Rolle des/der Träumer/innen die erste Zeile für genau 15 Minuten - am besten stellen Sie die Weckfunktion auf Ihrem Handy. Beschreiben Sie mit eigenen Worten, wie Ihr neues Produkt idealerweise aussehen soll und entwerfen Sie Ihr neues Produkt wie in Ihren besten und schönsten Träumen.
  • Danach nehmen Sie die Rolle der Kritiker/in an und bearbeiten das Thema wieder genau für 15 Minuten aus dieser Sichtweise. Jetzt nähern Sie sich der Idee mit all Ihren Bedenken, Befürchtungen und Ihren Zweifeln im Zusammenhang mit der Entwicklung.
  • Im dritten Schritt geht es mit der Zeile drei weiter, der Realisten/innenrolle. In diesem Abschnitt überdenken Sie das Produkt aus den Perspektiven des/der Träumers/in und des/der Kritikers/in. „Filtern“ Sie dabei aus den Ergebnissen dieser beiden Rollen alle praktikablen und sinnvollen Lösungen und Maßnahmen heraus.

Probieren Sie es einfach einmal aus! Sie werden sehen, Sie nähern sich sukzessive einer guten Lösung.

 

Quellen:

  • [1] E.d.Bono: Das Sechsfarben-Denken. Ein neues Trainingsmodell. Econ, Düsseldorf 1989, ISBN 3-612-23013-1.
  • [1] J. Martin, Ros Bell, Eion Farmer: B822 - Technique Library, The Open University, Milton Keynes/USA 2000. (SUP 50139 5)

Autor: Manfred Hofferer

Jahrgang 1962, studierte u.a. Bildungs- und Erziehungswissenschaften an der Universität Wien und ist der wissenschaftlich-pädagogische Leiter der Bildungspartner Österreich. In der Vergangenheit engagierte er sich für pädagogische und therapeutische Projekte und Ausbildungen im Sektor Kinder-, Jugend- und Erwachsenenbildung. Nun widmet er sich schwerpunktmäßig pädagogischen Themen vom Ausbildungsabschluss über den Berufseinstieg bis hin zum Arbeitsalltag.

 

In unseren Lehrgängen z.B. "Train the Trainer" oder "Soft-Skill-Trainer" setzen wir die Methode auch in der Ausbildung praktisch ein.

 

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