Suchmaschineninfos

Wie ist das mit den Infos aus dem Netz?
Wie ist das mit den Infos aus dem Netz?

Information ist nicht gleich Information!

Was ist aus der Sicht eines Bildungsvermittlers in der digitalisierten Informationswelt hinsichtlich des Bereichs Qualität der Bildungsinhalte wichtig?: Manfred Hofferer, Geschäftsführer und pädagogisch-wissenschaftlicher Leiter der Bildungspartner Österreich

 

FANNINGER: Zunehmend öfter berichten uns Seminarteilnehmende, dass sie bei diversen Aus- Fort- und Weiterbildungsangeboten Probleme mit dem vermitteltem Wissen haben. Im Kern geht es darum, dass auf der einen Seite Inhalte vermittelt werden, die jede/r im Netz und ohne großen Aufwand recherchieren kann und zum anderen weiß man nie so genau, ob das, was vermittelt wird, fachlich richtig und valide ist.

 

HOFFERER: Täglich werden Unmengen an wiedergekäuten, gesampelten, ekelktisch verbunden und verballhornten Inhalten von allen möglichen Menschen ins Netz geworfen. Die Folge ist, das zu einem Begriff, einer Methode oder Technik unterschiedliche und widersprüchlichste Informationsblasen durch das World Wide Web schweben. Das ist im Sinne einer Pluralität in Ordnung, stellt aber Informationsverarbeitende und -vermittelnde vor ein zunehmend größer werdendes Problem.

 

FANNINGER: Welches da wäre?

 

HOFFERER: Gegenfrage: Was tust Du, wenn Du nach bestimmten Informationen zu einem Thema suchst?

 

FANNINGER: Dasselbe, wie Du vermutlich auch, u.a. Recherche im Internet.

 

HOFFERER: Richtig! Und dasselbe tun Bildungsarbeiter/innen, neben der Verwendung von Fachbüchern und Fortbildungen, auch. Google laden, Suchbegriffe eingegeben, (leider) maximal die ersten drei Ergebnisseiten durchsuchen und gefällige Inhalte übernehmen. Die etwas Gewifteren der User formulieren das Gefundene dann noch ein wenig um, passen es dem „eigenem Geschmack“ an und schon ist ein Seminar und eine „Seminarunterlage“ erstellt, die dann wiederum in das Netz geworfen wird.

 

FANNINGER: Wo ist aus Deiner Sicht das Problem?

 

HOFFERER: Das aktuell größte Problem bei den Suchergebnissen ist, dass die Bewertung der Beiträge durch die Algorithmen der Suchmaschinen - ganz abgesehen von den bezahlten Werbeeinschaltungen - über alle möglichen Parameter vorgenommen wird und damit die Reihung bestimmt ist. Qualität und Validität spielen nahezu keine Rolle. Vor diesem Hintergrund schaffen es auch fragwürdigste Inhalte ganz nach vorne in die Suchmaschinenergebnisse und damit direkt in die Seminarinhalte und -unterlagen.

 

FANNINGER: Das heißt, was oft geklickt, bzw. bezahlt wird, kommt ganz nach vorne, egal, um welchen Unsinn es sich handelt?

 

HOFFERER: Ganz genau, das ist das Problem! Das ist auch einer der wichtigsten Auslöser, dass die Inhalte der Beiträge - wenn man die letzten fünf Jahre genauer betrachtet - zunehmend verflachen; quasi die Informationssuppe immer dünner wird. Auf diese Weise werden aber auch Mythen, Legenden und fragwürdige Zu- und Umgänge sowie der Kult um bestimmte Heil bringende Personen, in der Bildungslandschaft weiter getragen.

 

FANNINGER: Ist das aus Deiner Sicht nur im Bereich der Bildung so?

 

HOFFERER: Ein klares Nein! Das unkritische Übernehmen von Informationen ist nicht nur im Umgang mit und in der Entwicklung von Bildungsinhalten relevant, sondern auch und vor allem im Alltagsleben. Man siehe dazu z.B. die durch soziale Medien vorangetriebene politische Meinungsbildung.

 

FANNINGER: Was kann bzw. muss dagegen getan werden bzw. worauf muss aus Deiner Sicht in Zukunft in der Bildungsarbeit besonders Bedacht genommen werden?

 

HOFFERER: Aus meiner Sicht ganz klar und einfach. Dazu eine neue Begrifflichkeit, mit der wir zur Zeit in unseren Bildungsangeboten intensiv „Spielen und Experimentieren“: Informationsbewertungs-, selektions-, sowie ein- und zuordnungskompetenz.

 

FANNINGER: Was kann ich darunter genau verstehen?

 

HOFFERER: Ich gebe Dir ein Beispiel. Stell Dir vor, Du recherchierst für ein Seminar zum Thema Stress. Da ist es auch wichtig, den Teilnehmenden Beispiele über konkrete (Aus-) Wirkungen von Stress zu berichten. Was meinst Du, welche der Aussagen sind fachlich richtig und welche Behauptungen sind Mythos, bloßes Werbegetöse und schlichtweg falsch?

  • Stress verursacht unreine Haut
  • Schokolade ist ein Stresskiller
  • Wenig Stress hat, wer sich gesund ernährt
  • Den meisten Stress haben Topmanager
  • Besondere Kräfte entwickelt man nur unter Stress
  • üppige Frauen werden von gestressten Männern bevorzugt
  • Bei Stressinkontinenz helfen Kürbiskerne
  • Echten Stress kann man riechen
  • Wer Stress hat nimmt ab
  • Meditation hilft gegen Stress (möglicherweise: Medizin transparent)

FANNINGER: Ich verstehe, bedanke mich für das Gespräch und gebe die Frage an die Leserinnen und Leser weiter.

Autorin: Renate Fanninger

Jahrgang 1968, studierte Psychologie an der Universität Wien, ist klinische- und Gesundheitspsychologin sowie Vertragspsychologin und leitet neben der Beratungs- und Lehrtätigkeit die Koordination und Administration der Bildungspartner Österreich.

 

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Kommentare: 6
  • #1

    Gerhard (Donnerstag, 01 Juni 2017 11:33)

    Gute Anregung - Danke! Deine am Ende gestellten Fragen sind ganz schön knifflig. Erstaunlich was man da alles an Infos dazu findet :-)

  • #2

    Eva-Maria (Donnerstag, 01 Juni 2017 13:53)

    COOL - Danke für die Grafik :-)

  • #3

    Günther L. (Donnerstag, 01 Juni 2017 14:25)

    Schließe mich Eva-Maria an: DANKE!

  • #4

    Rudi (Freitag, 02 Juni 2017 01:08)

    Danke - Feine Sache!

  • #5

    Verena (Freitag, 02 Juni 2017 10:36)

    sch..., die von euch gestellten Fragen sind sauschwer, da muss man sich richtig dahinterklemmen :-)

  • #6

    Klaus (Samstag, 03 Juni 2017)

    Guter und informativer Beitrag!

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