Ich sehe was, was Du nicht siehst!

Selbst- und Fremdbild

Wer nur sich selbst sieht, ist blind für viele weitere Möglichkeiten: „Persönliches Wachstum braucht immer ein kritisches Du!“

Von echter „Persönlichkeitsentwicklung“ kann man immer nur dann sprechen, wenn auch tatsächlich eine persönliche (Weiter-) Entwicklung stattfindet. Damit dies der Fall sein kann, benötigt man zumindest zwei Aspekte:

  • Auf der einen Seite steht so etwas wie eine kritische eigene Bestandsaufnahme durch eine laufende Selbstbeobachtung sowie ein gezieltes Nachfühlen und -denken über die eigenen Stärken, Schwächen, Zu- und Umgangsweisen, Bewertungen, Regel- und Normvorstellungen oder Routinen und Lösungsstrategien usw. (Spiel mit der Selbstwahrnehmung).
  • Auf der anderen Seite sind in jedem Fall Informationen aus der sozialen Mit- und Umwelt wichtig und notwendig, die der eigenen Sicht- und Verstehensweise offen gegenübergestellt werden müssen.

Erst aus der sich daraus ergebenden „Schnittmenge“ dieser beiden Aspekte, also der „Selbst- und der Fremdwahrnehmung“, ergibt sich in der Folge ein kompletteres und klareres Bild zum Status, der Wirkung und dem Entwicklungspotenzial der eigenen Persönlichkeit.

Nicht immer; d.h., einmal mehr und dann wieder weniger (und das öfter, als man es sich wünschen würde), entspricht oder deckt sich das Selbstbild auch tatsächlich mit dem Bild, das Außenstehende von der Person haben. Um diese Diskrepanz zu fassen und in den Griff zu bekommen kann man sich eines alten aber umso mehr wirkungsvollen Instruments bedienen: das von den Sozialpsychologen Joseph Luft und Harry Ingham [1] entwickelte; als JOHARI-Fenster bekanntgewordene, Vierfelderschema:

Johari-Fenster
Das Johari-Fenster

Vor diesem Hintergrund klären sich nicht nur die Bereiche, die offen gezeigt und gelebt bzw. bewusst „privat“ gehalten werden, sondern im besten Fall auch jene, die der Person an sich noch unbekannt und unbewusst sind.

 

Wer Hinweise aus der sozialen Mit- und Umwelt (z.B. in kollegialen Gesprächen, bei Feedbackrunden in Fort- und Weiterbildungen oder Mitarbeitendengespächen) zu seiner Person nicht nur passiv entgegennimmt, sondern gezielt an-, nach- und abfragt, und diese dann auch ernst nimmt, hat hinsichtlich einer positiv beschleunigten und nachhaltigen Persönlichkeitsentwicklung wesentlich bessere Chancen. Selbstverständlich muss man sich auch jederzeit bewusst sein, dass von anderen nie eine „objektive oder wahre Sicht oder Beurteilung“ möglich oder zu erwarten ist. Der Nutzen steckt viel mehr in dem Umstand, dass derartige von außen kommende Hinweise und Informationen ganz allgemein dazu beitragen, die eigenen „blinden Flecken“ ob der Selbstreferentialität aufzuhellen und sichtbar zu machen. Damit werden im Grunde die Basis und der Nährboden für Entwicklung und Veränderung gebildet.

 

Bei diesem „bewussten Spiel“ mit Selbst- und Fremdwahrnehmung, wird in manchen Bereichen Übereinstimmung, vielleicht sogar echte Deckung der Fall sein und an anderen Stellen wiederum werden Diskrepanzen, unvereinbar scheinende Gegensätze bis hin zu mitunter unüberbrückbaren Unterschieden auftreten. Um den Folgen nicht hilflos ausgeliefert zu sein, bzw. nicht mit bloßer Abwehr zu reagieren, bildet das nachfolgende Schema eine gute Grundlage und praktikable Hilfe.

Bei diesem „bewussten Spiel“ mit Selbst- und Fremdwahrnehmung, wird in manchen Bereichen Übereinstimmung, vielleicht sogar echte Deckung der Fall sein und an anderen Stellen wiederum werden Diskrepanzen, unvereinbar scheinende Gegensätze bis hin zu mitunter unüberbrückbaren Unterschieden auftreten.


Um den Folgen nicht hilflos ausgeliefert zu sein, bzw. nicht mit bloßer Abwehr zu reagieren, bildet das nachfolgende Schema eine gute Grundlage und praktikable Hilfe.

Selbstwahrnehmung - Fremwahrnehmung
Persönlichkeitsentwicklung

Je nach eigener bzw. fremder Einschätzung wird - wenn man sich dieses Schemas bediehnt - auf etwas ganz Spezielles; ein Talent, ein Potential, eine Irritation oder notwendig zu organisierende Hilfe, hingewiesen. Wer die Hinweise, die über Fremdwahrnehmung eingebracht werden deuten und verstehen kann, der/die kann in der Folge auch gezielt an der eigenen Entwicklung und Veränderung arbeiten.

 

Wir wünschen viel Erfolg beim Nachdenken, Planen, Entscheiden, und vor allem beim Anwenden!

 

[1] Joseph Luft, Harry Ingham: The Johari window, a graphic model of interpersonal awareness. In: Proceedings of the western training laboratory in group development, Los Angeles: UCLA, 1955.

 

Autoren: Manfred Hofferer & Renate Fanninger

Jahrgang 1962, studierte u.a. Bildungs- und Erziehungswissenschaften an der Universität Wien und ist der wissenschaftlich-pädagogische Leiter der Bildungspartner Österreich.

Jahrgang 1968, studierte Psychologie an der Universität Wien, ist klinische- und Gesundheitspsychologin und leitet neben der Beratungs- und Lehrtätigkeit die Koordination und Administration der Bildungspartner Österreich.

 

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